Die Maerzrevolution 1848/49

Pfaelzisch-badischer Aufstand 1949
Nach einer Karte aus dem alten DDR-Lehrbuch "Geschichte 8"
Aufgabenstellungen und Material zum Unterricht (Von Wolfgang Currlin)
Externe Links:
Die Maerzrevolution beginnt Ende Februar 1848. Im Sueden und Westen Deutschlands finden seit dem
27. Februar die grossen Volksversammlungen Die Volksversammlungen und Massendemonstrationen statt.
Aufstellungen und Forderungkataloge, die an lokale und staatliche Behoerden gerichtet waren, waren
inhaltlich ziemlich einheitlich.
Forderungen waren:
- Sofortige Aufhebung aller Einschraenkungen der politischen Rechte;
- Herstellung der Presse -, Versammlungs - und Vereinigungsfreiheit;
- Einfuehrung eines gleichen und allgemeinen Maennerwahlrechts;
- Erweiterung der Rechte der Volksvertretung und Ministerverantwortlichkeit;
- bessere und volksnaehere Verwaltung;
- neue buergerliche Gerichtsverfassungen mit Schwurgerichten und muendlichen Verhandlungen;
- eine verbesserte, allgemeine und unentgeltliche Volkserziehung;
- Loesung von sozialen Fragen;
- die Einberufung eines deutschen Parlaments;
- Gleichheit bei politischen und buergerlichen Rechten fuer die Angehoerigen aller Religionen;
- Schutz vor Arbeitslosigkeit und unverschuldeter Not;
- Schaffung eines nationalen Staates;
Der Kern der Forderungen:
Bei den entscheidenden Auseinandersetzungen in Wien und Berlin Mitte Maerz kam es in Berlin zu Barrikadenkaempfen. Der oesterreichische Kanzler Metternich trat zurueck. Versuche, die Bewegung militaerisch zu unterdruecken, schienen sinnlos. Erst im Laufe des Jahres 1848 bekamen die alten Kraefte wieder langsam die Oberhand, obwohl zum Beispiel der Wiener Hof zeitweilig Wien auf Druck der Revolutionaere verlassen musste und durch die Aufstaende in Ungarn und Italien voruebergehend in schwere Bedraengnis geriet.
Wilhelm I. von Preussen kommentierte aber anfangs: "Gegen Ideen kann man nicht zu Pferde steigen"
Anfangserfolge der Revolution:
Um einen gewaltsamen Umsturz und eine weitere Radikalisierung zu vermeiden, richteten die Regierungen ihre
Bemuehungen darauf, einen frontalen Zusammenstoss zu vermeiden:
- Die politischen Rechte wurden meistens sofort zugestanden,
- ebenso die Volksbewaffnung von Buergerwehren und Kommunalgarden.
- In einigen Staaten wurden die Heere sogar auf Verfassungen vereidigt.
- Alle Fuersten erklaerten sich bereit, die Berufung eines Parlaments zu unterstuetzen, manche auch, die Bildung eines Nationalstaates zu unterstuetzen.
- In Berlin, Wien und Budapest wurden Nationalversammlungen fuer die jeweiligen Laender einberufen, in Frankfurt am Main eine Nationalversammlung, die sogenannte Paulskirchenversammlung, mit dem Auftrag, eine Verfassung fuer einen gesamtdeutschen Nationalstaat auszuarbeiten.
- Die Regierungen wurden umgebildet, Vertreter der liberalen Bewegung wurden mit Ministeraemtern betraut ("liberale Maerzminister").
Die Nationalversammlung in Frankfurt (Paulskirchenversammlung)
Die Bundesversammlung in Frankfurt entschied sich ohne zu zoegern fuer eine Politik des Abminderns und Entschaerfens:
- 3.Maerz: Zensurzwang wird aufgehoben
- 9.Maerz: Erklaerung der Bundesfarben "Schwarz-Rot-Gold"
(wurden jahrzehntelang als aufruehrerisch verfolgt !)
- 2.April: Es wurden alle politischen Unterdrueckungsgesetze, die seit 1819 aufgestellt waren, erlassen.
Es gab aber innerhalb und ausserhalb der Paulskirchenversammlung unterschiedliche Interessen und politische Richtungen:
- Die Sozialisten spielten eine geringe Rolle, aber Karl Marx verfasste das "Kommunistische Manifest", die bedeutendste kommunistische Programmschrift.
- Die demokratische, buergerliche, republikanische Linke will Volkssouveranitaet, allgemeines Wahlrecht und tiefergreifende, soziale Reformen
- Das liberale Lager will Begrenzung der Revolution , Gewaltfreiheit und Konstitutionelle Monarchie
- Die Konservativen (lat. conservare = bewahren) wollen moeglichst viel von der alten Macht der Monarchen und des Adels bewahren.
Die Versammlung stritt um:
- das Staatsgebiet.
Es ging vor allem um die Frage, ob ganz Oesterreich (sogenannte "grossdeutsche Loesung") oder nur Deutschoesterreich (ebenfalls "grossdeutsche Loesung") zum neuen deutschen Nationalstaat gehoeren sollte oder ob man Oesterreich ganz draussen lassen sollte (sogenannte "kleindeutsche Loesung").
- die Staatsform.
Zur Debatte standen Republik oder Monarchie, wobei die Anhaenger der Monarchie teils eine erbliche Monarchie, teils eine Wahlmonarchie anstrebten.
- die Staatsorganisation.
Sollte eine einheitlicher Staat mit starker Zentralgewalt wie z.B. in Frankreich geschaffen werden oder sollte es Bundesstaaten geben, die einen Teil ihrer Macht an die Zentrale abgaben?
Da Oesterreich nicht mitmachen wollte, entschied man sich fuer eine kleindeutsche Loesung ohne Oesterreich unter preussischer Fuehrung. Der preussische Koenig lehnte aber die Kaiserkrone und die Paulskirchenverfassung ab, was zu einer weiteren Welle revolutionaerer Erhebungen fuehrte, die schliesslich niedergeschlagen wurden.
Die Niederlage der Revolution:
Am Ende siegten die alten Monarchen, die Paulskirchenverfassung wurde aber Vorbild fuer alle spaeteren demokratischen deutschen Verfassungen, auch des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Auch alle anderen revolutionaeren Erhebungen in Europa, zum Beispiel die ungarische, wurden niedergeschlagen.
Rastatt: Kasematten der Bundesfestung, in denen die Revolutionaere gefangengehalten wurden (Externer Link)