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Das Marienmünster in Mittelzell-Reichenau

Themen

Baugeschichte

Das Marienmünster stellte ursprünglich den Kernbau der gesamten Reichenauer Klosteranlage dar. Die ältesten Baureste im Bereich des Mittelzeller Marienmünsters gehen bis in die Gründungszeit des Klosters im Jahr 724 zurück. Archäologische Funde lassen darauf schließen, daß die älteste Klosteranlage ein aus Holz gebauter, langgestreckter Saalbau mit östlichen Rechteckchor war. Daran schlossen sich Kreuzgang und Konventsbauten. Noch im 8. Jahrhundert wurde dieser Holzbau durch einen Steinbau ersetzt, der allerdings abgebrochen und an dessen Stelle ein 816 geweihter Neubau gesetzt wurde. Auffallend an dieser Kreuzbasilika war ein kurzes Langhaus. Anfang des 10. Jhrts. wurde ein zusätzliche Westquerhaus errichtet, das mit dem Langhaus verbunden wurde. Das Münster erhielt im 11. Jhrt. unter Abt Berno , nach einem Brand, seine heutige, weitgehend erhaltene Gestalt mit Westchor, seitlichen Eingangshallen, Emporen und Westturm. In der ersten Hälfte des 13. Jhrt. wurde der heutige Dachstuhl errichtet. (Ausführliche Beschreibung bei Erdmann/Zettler ).

Bedeutung

Unter den vielen architekturgeschichtlich interessanten Details des Marienmünsters in Mittelzell möchte ich zwei herausheben:

Das Äußere

Die Fassade des Marienmünsters wird durch einen turmartigen Westbau dominiert. Sie stellt aber für sich genommen nicht mehr als eine Abschlußwand dar und ist nicht eigens gestaltet wie die Fassaden gotischer Kirchen. "Westbauten" (oft auch "Westwerke") gehören zu den in der romanischen Architektur häufig wiederkehrenden Bauteilen. Es sind eigenständige Baukörper, die als Eingangsbauwerke dienen; über ihre Bedeutung für die Liturgie besteht Unklarheit. Für das Reichenauer Münster ist die Funktion als Unterbringungsstätte der Markus-Reliquie dokumentiert. Zur Ausstellung der Reliquie diente wohl die Empore in der Mitte des Westbaus. Eine weitere liturgische Aufgabe des Westbaus, die oftmals angenommen wird, war es, den Eingangsbereich der Kirche und damit die Weltzugewandtheit der Kirche zu betonen. Durch den Westbau wird das Marienmünster zum einen Verehrungsstätte und Heiligengrab (= Markusbasilika) wie Alt-St.-Peter als Grabeskirche Petri in Rom; zum anderen würde der Versuch Bernos unterstrichen, Priestertum und Weltkirche in das Mönchtum seiner Zeit zu integrieren.

Der Innenraum

Der Innenraum des Marienmünsters entspricht einer dreischiffigen Kreuzbasilika mit Westwerkvorbau (1048 geweiht). Das deutlich erhöhte Mittelschiff und die beiden Seitenschiffe stammen im östlichen Teil wenigstens der Anlage nach noch aus der Mitte des 9. Jhrts.; die Verlängerung zum Westbau hin wurde dann unter Witigowo Ende des 10 Jhrts. vorgenommen. Die Holzdecke wurde im 13. Jhrt. aufgerichtet. Die Vierung ist von einer südlichen bzw. nördlichen Mauer begrenzt und von vorn durch ein Gitter (aus dem 18. Jhrt.) abgegrenzt; die alte Chorschranke wurde abgerissen. Der Chor mit Kreuzrippengewölbe ist in der heutigen Form eine Schöpfung des 15. Jhrts.

Schematische und idealisierte Grundrißzeichnung vom Marienmünster
Hier wird in Kürze eine verbesserte und den genauen Maßen entsprechende farbige Grundrißzeichnung des Reichenauer Münsters zu sehen sein, an der die Baugeschichte der Kirche ablesbar sein wird

Ausstattung

Nur einige wichtige Ausstattungsstücke sollen erwähnt sein:


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