Die Erschließung des Westens der USA
(16. - 19. Jahrhundert)

von Götz Frittrang (1996)


Inhalt

Spanien: Don Francisco Coronado
Frankreich: Paul und Pierre Mallet
Frankreich: Louis-Joseph und Francois Vérendrye
Thomas Jefferson / Captain Meriwether Lewis
Pelzkriege und Fallensteller
Rocky Mountain Fur Company unter Jedediah Smith
1829 Weg für Planwagen über die Rocky Mountains. Go West
Krieg gegen Mexiko
Goldrausch in Kalifornien
Telegrafenleitung
Eisenbahn
Quellen:



Spanien: Don Francisco Coronado


Im Jahre 1492, als Christoph Kolumbus die Insel San Salvador betrat, wurde damit eine Welle von Eroberungszügen ausgelöst, die weit bis in unser Jahrhundert anhielten. Die Spanier und Portugiesen schafften es, innerhalb von nur wenigen Jahren Siedlungen und Stützpunkte zu errichten und das Land bis hinauf nach Mexiko unter ihre Kontrolle zu bringen, wenigstens an den Küstenlinien entlang.

Nachdem die Suche nach dem legendären "El Dorado" und anderen Goldstädten mit sagenhaftem Reichtum erfolglos geblieben war, wandte sich das Interesse mancher Spanier nach Norden, in Richtung des nordamerikanischen Kontinents. Angetrieben von der Gier nach Gold, setzte sich im Jahre 1540 eine Expeditionstruppe von 336 Soldaten unter der Führung Don Francisco Coronados, einem Freund des mexikanischen Vizekönigs, von der Stadt Culiacán aus in Bewegung, um im Norden nach Gold zu suchen. Coronado überschritt die Grenze zum Gebiet der heutigen USA und suchte zwei Jahre lang nach goldenen Städten, die, seiner Meinung nach, irgendwo im mittleren Westen existieren mußten. Während seiner Streifzüge, die ihn bis ins heutige Kansas führten, traf er auf viele Indianerstämme. Die meisten Begegnungen verliefen ohne Kampf, da er nie die Hoffnung aufgab, die Indianer könnten etwas über die Lage des Goldes wissen. Coronados Interesse an der Landschaft war hingegen gleich Null. Es war ihm kaum eine Erwähnung im Tagebuch wert, daß er den Grand Cañyon entdeckt hatte. Eines beeindruckte ihn aber sehr: die enorme Größe der Büffelherden in der Prärie.

Als Coronado nach Mexiko zurückkehrte, wurde er nicht als Held, sondern als Versager empfangen. Obwohl er so weit in das Gebiet der heutigen USA vorgedrungen war, zählte für den Herrscher allein die Tatsache, daß er kein Gold für die spanische Krone fand. Er starb wie Christoph Kolumbus, verarmt und einsam.

Nach dem Sieg der englischen Flotte über die spanische Armada im Jahre 1588, verloren die Spanier ihre bisherige Vormachtstellung in der Welt. Um ihren Einfluß im Westen der heutigen USA nicht zu verlieren, erließ König Philipp II. die Anweisung, die Gebiete von Neumexiko und Kalifornien zu kolonialisieren. Da aber das Militär die meiste Zeit damit verbrachte, nach Städten aus Gold und Edelsteinen, deren Bewohner sich mit Goldstaub puderten und in silbernen Wagen fuhren, zu suchen, fiel diese Aufgabe dem Klerus zu. Vor allem auf die Franziskanern geht der spanische Einfluß auf diese Regionen zurück. Sie gründeten zahlreiche Städte und bauten überall Missionsstationen. Orte mit Namen wie San Francisco, Los Angeles, Santa Fé oder San Diego zeugen noch heute von dieser Vergangenheit.

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Frankreich: Paul und Pierre Mallet

Eine andere Nation, die sich in der Erschließung des Westens hervortat, war Frankreich. Ein Jahrhundert nach ihrer Gründung durch die Spanier hatte sich Santa Fé zu einem wichtigen Außenposten des sterbenden spanischen Imperiums entwickelt. Durch Gerüchte gelockt, machten sich die Brüder Paul und Pierre Mallet 1739 von Neufrankreich, dem heutigen Kanada, auf, um über die Großen Seen, den Illinois und den Mississippi auf dem Missouri nach Santa Fé zu gelangen. Der Westen war kartographisch noch immer so unerforscht, daß die Mallets glaubten, auf diesem Weg an ihr Ziel zu gelangen. Nach einigen Tauschgeschäften mit Indianern, die wußten, wo Santa Fé lag, schlugen sie den richtigen Weg ein und gelangten so an ihr Ziel. Die Gebrüder Mallet waren die ersten Europäer, die das bis dahin unerforschte Gebiet zwischen Kanada und Neumexiko durchquerten. Da die Spanier sie jedoch für Spione hielten, wurden sie hingerichtet, indem man ihnen vom Rücken her das Herz aus dem Körper schnitt.

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Frankreich: Louis-Joseph und Francois Vérendrye


Ein anderes französisches Gebrüderpaar, Louis-Joseph und François Vérendrye waren 1742 darauf aus, den Pazifik zu erreichen. Nachdem sie vergeblich knapp zwei Jahre damit verbrachten, einen Weg zu diesem westlichen Meer zu finden, gaben sie auf. Allerdings nicht, ohne vorher das gesamte Gebiet des mittleren Westens im Namen von König Ludwig XV. zu annektieren. Nach Beendigung des englisch-französichen Kolonialkrieges, 1763, mußte Frankreich seine nördlichen Territorien an England und alles Land westlich des Mississippi an Spanien abtreten. Im Jahre 1800 gab Spanien diese Gebiete allerdings wieder an Frankreich zurück. Drei Jahre später erklärte sich Frankreich, jetzt unter Napoleon Bonaparte, dazu bereit, nicht nur das von den Amerikanern geforderte New Orleans, sondern das gesamte französische Territorium für 15 Millionen zu verkaufen. Der amerikanische Präsident Thomas Jefferson vergrößerte damit das Gebiet der USA um mehr als fünfhundert Millionen Morgen Land auf das Doppelte. Für einen Preis von weniger als drei Cent pro Morgen.

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Thomas Jefferson / Captain Meriwether Lewis


Ein Haupziel war es nun, dieses neue Land zu erkunden. Jefferson war entschlossen eine Expedition bis zum Pazifik zu schicken, um die Westküste des Kontinents für die USA in Besitz zu nehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde dieses Gebiet nämlich noch von Großbritannien und Rußland beansprucht. Allerdings hatte keine dieser Nationen es für nötig gehalten, dort Siedlungen zu errichten. Der Präsident legte aufs genaueste die Ziele der Expedition fest: Erkundung der Rocky Mountains und deren Flora und Fauna, Aufnahme von Kontakten zu den ansässigen Indianerstämmen und Erforschung ihrer Kultur und Bräuche, Kartographierung wichtiger Geländepunkte und das Finden eines geeigneten Zugangs zum Pazifik. Diese Forschungsreise war die erste, rein wissenschaftlich orientierte, die es bis dahin gegeben hat. Im Jahre 1804 machte sich Captain Meriwether Lewis mit ca. 30 Männern auf den Weg. Sie fuhren mit drei Booten den Missouri entlang, bis sie den Beaverhead erreichten. Freundliche Indianer halfen ihnen, zu Fuß die Rocky Mountains zu überqueren. Über den Columbia River erreichten sie schließlich das Meer, wo sie überwinterten. Auf demselben Weg, den er gekommen war, erreichte Meriwether Lewis nach zwei Jahren und neun Monaten und einer Wegstrecke von über fünfzehntausend Kilometern wieder den Ausgangspunkt seiner Fahrt, St. Lewis.

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Pelzkriege und Fallensteller


Durch die Berichte Meriwethers, über die großartige Schönheit der Rocky Mountains, und ihren Reichtum an Tieren wurden viele Fallensteller angelockt. Es begann die Zeit der Pelzkriege. Mächtige Handelsgesellschschaften kämpften verbissen um die reichen Jagdgründe, da das Geschäft mit Pelzen ebenso lukrativ war wie heute der Handel mit Öl. Jede Gesellschaft repräsentierte die Interessen eines Landes. Namen wie "American Fur Company", "Northwestern Company" oder "Hudson's Bay Company" wurden zu mächtigen und einflußreichen Namen im neu erforschten Westen. Diese Gesellschaften gründeten überall im Gebiet der heutigen Staaten Idaho, Washington, Montana und Wyoming Handels- und Nachschubstationen, aus denen sich bald kleine Städte entwickelten. Zwar fielen während des amerikanisch-englischen Krieges von 1812-14 einige dieser Posten unter englische Kontrolle, die Jagd und der Handel ging jedoch unvermindert weiter. Die Trapper, die im Auftrag der Pelzkonzerne die Wildnis durchstreiften und sich oft Jahrelang in ihr aufhielten, trugen viel zur weiteren Erkundung des Westens bei. Daß dieses sehr einträgliche Geschäft die fast vollständige Ausrottung der Biber zur Folge hatte, beunruhigte aber niemand.

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Rocky Mountain Fur Company unter Jedediah Smith


Nachdem die Reserven an Pelztieren langsam zur Neige gingen, beschloß 1826 die "Rocky Mountain Fur Company" unter Jedediah Smith, das Gebiet des heutigen Kaliforniens zu erkunden, das immer noch in spanischer Hand war. Sie durchquerten Utah auf dem Colorado River, folgtem ihm durch Arizona bis zur Grenze Kaliforniens, wo ihnen Mojave Indianer dabei halfen, die Wüste zu durchqueren. Als sie aber an der Missionsstation San Gabriel ankamen, erging es ihnen wie den Gebrüdern Mallet vor knapp einem Jahrhundert. Sie wurden vom spanischen Gouverneur der Spionage beschuldigt und ausgewiesen.

Statt Kalifornien zu verlassen, war Smith entschlossen, das Land in nördlicher Richtung zu erforschen, und schaffte dies auch, nachdem er mit seiner Truppe von Fallenstellern und Jägern fast zwei Jahre an den Rocky Mountains entlang nach Norden gezogen war, immer von den spanischen Behörden verfolgt, um schließlich auf die Handelsposten im amerikanischen Nordwesten zu stoßen.

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1829 Weg für Planwagen über die Rocky Mountains. Go West


Viele Leute wie er, Fallensteller und sogenannte "Mountain Men", durchstreiften die Wildnis des Westens. Sie beuteten die Schätze der Natur aus, und schürten mit ihrem Verhalten den Haß der Indianer auf die Weißen, die nun in immer größerer Zahl in den Westen strömten. Eine entscheidende Voraussetzung für die schnelle Besiedelung des Westens war das Finden eines für Planwagen geeigneten Weges über die Rocky Mountains. Bis zum Jahr 1829 hatte man es für völlig ausgeschlossen gehalten, diese natürliche Barriere auf dem Weg zur Westküste mit einem Wagen überqueren zu können. In diesem Jahr allerdings tat ein Partner Smith´s genau das. Er fuhr mit zehn Wagen von St. Louis durch die Plains über den South Pass bis zum Columbia River. Die Zeitungen berichteten, daß damit der Beweis erbracht sei, das der Vormarsch des amerikanischen Volkes in Richtung der Westküste durch nichts mehr aufzuhalten sei. Und das war er auch nicht mehr. Die Siedler strömten immer weiter ins Land hinein. Überall entstanden neue Dörfer, die durch den ständigen Zuzug aus dem Osten bald zu kleinen Städten wurden. Die Außenposten wurden immer weiter vorverlegt, und die Indianer mußten immer weiter zurückweichen. Als Mexiko um 1830 seine Unabhängigkeit von Spanien erhielt, konnte nun der Handel mit diesem Land aufgenommen werden, was von den Spaniern immer abgelehnt wurde. Jedediah Smith war einer der ersten, der eine Handelsexpedition in den Südwesten Richtung Santa Fé leitete. Er fuhr mit 74 Mann und 22 Wagen nach Mexiko. Auf dem Weg dorthin wurde er von Comanchen getötet.

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Krieg gegen Mexiko


Erforscht und von Weißen bereist war nun nahezu der ganze Westen. Eigentum der USA, wie wir sie heute kennen, war er allerdings noch nicht. Kalifornien und die Gebiete des heutigen Texsas, Neu Mexiko, Utah, Nevada sowie Teile von Arizona und Colorado waren immer noch im Besitz Mexikos. Durch den Krieg von 1812 hatten die Amerikaner deutlich gemacht, daß sie nicht dazu bereit waren, den Kontinent mit einem anderen Land zu teilen. Im Jahre 1846 annektierten sie deshalb diese Gebiete, und führten zwei Jahre lang einen Krieg mit Mexiko um sie. Damit hatte Amerika seine jetzige Ausdehnung auf dem Nordamerikanischen Kontinent erreicht.

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Goldrausch in Kalifornien


Als schließlich 1848 die Nachricht von Goldfunden in Kalifornien durchs Land ging, fand der Zug der westwärtsziehenden Siedler seinen Höhepunkt. Die eher übertriebenen Schilderungen erinnern an die Zeit Coronados, der vergeblich nach dem Gold Amerikas gesucht hatte. Entlang der Flüsse im Norden Kaliforniens enstanden schäbige Zeltstädte. Alle machten sich dorthin auf, um reich zu werden. Die Armee hatte große Probleme mit Deserteuren und mit den Soldaten, die sie zurückholen sollten, weil sie ebenfalls dem Goldfieber erlagen.

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Telegrafenleitung


Zu diesem Zeitpunkt dauerte die Durchquerung der USA bis zu vier Monaten, da es weder eine durchgehende Eisenbahnverbindung noch eine richtige Straße gab. Ein Anfang, zur ständigenVerbindung der beiden Küsten wurde mit dem Bau einer durchgehenden Telegrafenleitung gemacht. Von 1860-62 dauerte ihr Bau. Durch sie schmolz die riesige Entfernung zusammen. Eine Nachricht aus Kalifornien war nun nicht mehr drei Monate unterwegs, sondern konnte sofort übermittelt werden.

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Eisenbahn


Das Ende der Erschließung des Westens kam mit der Eisenbahn. Am zehnten Mai 1869 vereinigten sich die von Westen und Osten kommenden Bahntrassen nördlich von Salt Lake. Damit war es möglich, den Kontinent in relativ kurzer Zeit relativ sicher zu durchqueren. Die Indianer fingen erst jetzt an, sich gegen die brutale Landnahme und die Vertragsbrüche in größerer Zahl und organisiert zu wehren. Allerdings kamen sie damit zu spät. Ihre gelegentlichen Siege machten alles nur schlimmer, denn dadurch wuchs der Haß der Amerikaner auf sie nur. Ganze Armeen wurden entsandt, um die Indianer zu vernichten. Die wenigen Überlebenden wurden in häßliche, viel zu kleine Reservate eingesperrt. Heute stellen die Indianer die Bevölkerungsgruppe mit der höchsten Arbeitslosigkeit, Alkoholabhängigkeit und Selbstmordrate. Sie hatten und haben im expansionistischen Weltbild der Amerikaner keinen Platz.

Der Westen oder Wilde Westen prägte die USA nachhaltig. Der Wunsch, sich immer weiter auszubreiten, die Grenze immer noch ein Stück weiter nach vorn zu rücken, ist noch heute ein Grundzug ihrer Mentalität. Die Zeiten des Westens scheinen noch greifbar in der Gesetzgebung der USA, die den Besitz von Waffen jedem Bürger gestattet. Die Justiz ist noch im beginnenden 21. Jahrhundert in der Lage, Menschen zu erschießen, zu erhängen, zu vergasen, zu vergiften und elektrisch zu grillen. Und das in einem der fortschrittlichsten Länder der Erde.

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Quellen:

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