Die Entwicklung der Demokratie in den Vereinigten Staaten von Amerika nach der Unabhängigkeitserklärung

Von Sven Röhm Schuljahr 1995/96
GZG, Graf-Zeppelin-Gymnasium, Friedrichshafen


Inhalt

1 Der Weg zur Demokratie
2 Die amerikanische Verfassung
2.1 Die Exekutive
2.2 Die Legislative
2.3 Die Judikative
3 Die Entwicklung Amerikas in der Zeit nach dem Verfassungsentwurf
4 Das aufkommende Sklavenproblem
5 Der amerikanische Bürgerkrieg (1861-1865)
6 Die Folgen des Sieges der Nordstaaten
7 Quellenangaben

Der Weg zur Demokratie


Die englische Regierung beschloß nach dem Kolonialkrieg von 1754-63, die Steuern in den amerikanischen Kolonien zu erhöhen, um Kriegsschulden tilgen zu können. England verbot die Ausdehnung nach Westen und gab die Appalachen als Siedlungsgrenze an. Die wachsenden Spannungen (no taxation without representation) führten zum Unabhängigkeitskrieg (1775-1783) gegen England mit dem Oberkommandierenden George Washington. Neben den unzuverlässigen englischen Söldnertruppen mußten die Kolonisten gegen englandtreue Loyalists und mit England verbündete Indianerstämme kämpfen.

Am 4. Juli 1776 erklären die amerikanische Kolonien ihre Unabhängigkeit von England und den Bund aus 13 Staaten. Sie verkünden die Menschenrechte ("life, liberty and pursuit of happiness") und das politische Widerstandsrecht. In dieser Zeit trat der erste amerikanische Abgesandte Benjamin Franklin in Europa für das amerikanische Anliegen ein. Frankreich und Spanien traten in den Krieg ein und kämpften an der Seite der amerikanischen Kolonien gegen England. 1783 wurde in Versailles der Versailler Friedensvertrag unterzeichnet, der die Anerkennung der Vereinigten Staaten von Amerika beinhaltete.

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Die amerikanische Verfassung


Bereits 1776 hatten die verschiedenen Staaten nach der Unabhängigkeitserklärung individuell Verfassungen entwickelt, die alle Volkssouveränität, Gewaltenteilung und Trennung von Kirche und Staat als Hauptpunkte teilten und einen lockeren Staatenbund zustimmten (Articles of Confederation).

Die "Verfassungsväter" (Founding Fathers) traten auf dem Konvent zu Philadelphia (1787) zusammen und beschlossen, die herrschende Wirtschaftskrise durch eine zentrale politische Macht und einen einheitlichen Binnenmarkt zu lösen (Articles of Union). Die Delegierten des Konvents waren vor allem bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Handel und Wirtschaft.

Unter der Leitung von George Washington setzten die zentralistischen Federalists ihr Konzept einer repräsentativen Demokratie mit bundesstaatlich-präsidentellem Regierungssystem gegen die Anhänger eines lockeren Staatenbundes durch.
Am 17. September 1787 nahm der Konvent den Verfassungsentwurf an (Articles of Union). 1788 trat die Verfassung mit der erforderlichen Zustimmung von 9 Bundesstaaten in Kraft.

Die Verfassung konstruierte den Herrschaftsapparat so, daß die Macht nicht von einer Gewalt alleine getragen, sondern daß die Macht in drei Gewalten namens Legislative, Exekutive und Judikative geteilt wurde (Gewaltenteilung). Alle drei Gewalten haben so viele Kompetenzen, daß sie zu den anderen ein Gegengewicht darstellen (seperation of power, checks and balances).

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Die Exekutive


Der Präsident ist die Exekutive. Er hat in Kriegs- oder Krisensituationen den Oberbefehl über das Militär (kann aber keinen Krieg erklären) und leitet die Außenpolitik. Er ist für die Bundesverwaltung zuständig, benötigt aber die Zustimmung des Senats
(z.B. Beamtenverteilung, Ernennung der Bundesrichter). Der Präsident wird alle 4 Jahre durch vom Volk gewählte Wahlmänner im November gerader Jahre gewählt. Seine Amtseinführung findet aber erst im März des darauffolgenden Jahres statt.

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Die Legislative


Die Legislative ist der Kongreß, der sich aus dem Senat und dem Repräsentantenhaus zusammensetzt. Die Aufgabe des Kongresses besteht darin, Steuerfragen, Wirtschafts- und Handelsfragen zu klären und das Militär zu finanzieren. Nur der Kongreß kann im Namen der Vereinigten Staaten von Amerika einem anderen Land den Krieg erklären oder über militärische Operationen abstimmen. Im Repräsentantenhaus sind 435 Repräsentanten vertreten, die direkt vom Volk gewählt werden. Im Senat sind zwei Senatoren pro Staat vertreten, die bis 1913 von der Staatslegislative bestimmt wurden und heutzutage direkt vom Volk gewählt werden.

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Die Judikative


Der Oberste Gerichtshof (Supreme Court) überwacht als Judikative die Handlungen des Präsidenten und des Kongresses. Der Supreme Court kann z.B. Gesetzentwürfe des Kongresses verhindern und Verfassungsfragen mitbestimmen. Die Richter des Supreme Court werden vom Präsidenten auf Lebenszeit ernannt, können aber auch entlassen werden.

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Die Entwicklung Amerikas in der Zeit nach dem Verfassungsentwurf


1791 wurde die Verfassung durch Grundrechte ergänzt (Zusatzartikel I-X). Die Hauptpunkte waren die Abschaffung des Zensuswahlrechts und die persönliche Freiheit des Menschen (Religionsfreiheit, Presse- und Redefreiheit, Versammlungsfreiheit und das umstrittene Petitionsrecht (Jeder Bürger darf eine Waffe tragen)). Der Präsident und der Kongreß sollen immer im Auftrag des Volks handeln.

George Wahington


1789 wurde George Washington zum ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Neben Washington waren Alexander Hamilton (1755-1804) als Schatzmeister (Finanzminister) und Thomas Jefferson (1743-1826) als Außenminister für die Außenpolitik und den wirtschaftlichen Aufschwung verantwortlich. Hamilton entwickelte eine Wirtschaftsplanung, mit der er die Staatsschulden und die Inflation unter Kontrolle brachte. Er schuf eine Basis für eine kapitalistische und industrielle Zukunft Amerikas.

Im Gegensatz zu Hamilton und Washington sah Jefferson Amerikas Zukunft in einer landwirtschaftlich orientierten Wirtschaft. Zusätzlich gab es Meinungsverschiedenheiten in außenpolitischen Fragen. Washington und Hamilton strebten Neutralität an, aber Jefferson meinte, daß Amerika der französischen Nation in der Revolution, die Amerika im Unabhängigkeitskrieg geholfen hatte, Beistand leisten müsse.

Am 22. April 1793 wurde eine Neutralitätserklärung erlassen. 1794 einigten sich Amerika und England im Jay-Vertrag über die Aufnahme von wirtschaftlichen und politischen Beziehungen.1796 trat Washington in Ruhestand und warnte Amerika vor der Einmischung in europäischen Konflikten.

John Quincy Adams


Seinem Nachfolger John Adams fiel es zunehmend schwerer, sich aus europäischen Problemen herauszuhalten.1798 erließ die Regierung eine Serie von "Ausländer- und Ausfuhrgesetzen" (Alien and Sedition Acts). Diese Gesetze widersprachen den Grundsätzen der Verfassung in den Punkten der Rede-, Presse- und Einwanderungsfreiheit.

Thomas Jefferson


Im Wahlkampf von 1800 konnte sich der Frankreichsympathisant Thomas Jefferson mit seinen revolutionären Ideen durchsetzen. Jefferson und sein Schatzmeister Albert Gallatin verringerten die Staatsschulden auf 45 Millionen Dollar (ursprünglich 83 Mio. Dollar). Er schaffte eine Reihe innerer Steuern ab, die durch die Reduzierung der Armee und Marine nicht mehr nötig waren. Jeffersons größte politische Leistung war der Kauf Louisianas von Frankreich, womit sich das Bundesgebiet verdoppelte (Kaufpreis: 15 Mio. Dollar).

James Madison


1808 wurde James Madison zum vierten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.
Das aggressive Verhalten Englands, das amerikanische Handels- und Kriegsschiffe überfiel und amerikanische Soldaten entführte, veranlaßte den Kongreß 1812, England den Krieg zu erklären und zu versuchen, Kanada zu erobern.

1814 wurde der Genfer Friedensvertrag geschlossen, der keinen materiellen Vorteil für Amerika brachte. Amerika erkannte die Unantastbarkeit Kanadas an, und England sah ein, daß aus den ehemaligen amerikanischen Kolonien ein machtvoller Staat geworden war. Daraus entwickelte sich ein stabiles Bündnis zwischen Amerika und England.

James Monroe


Unter Präsident James Monroe (R 1817-1825) erlebten die Vereinigten Staaten ein starkes Industriewachstum und einen starken Ausbau der Infrastrukturen.

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Das aufkommende Sklavenproblem


Im Süden stieg die Baumwollproduktion und die Sklavenwirtschaft. Die "Mason and Dixon Line" (Ohio und Maryland) stellte dabei zwischen den Sklavenhalterstaaten und den sklavenfreien Staaten.

1819 stellte das Missouri-Territorium den Antrag, als Staat anerkannt zu werden, und zwar mit einer Verfassung, die Sklaverei zuließ. Einerseits war Missouri ein Teil des Louisiana-Purchase und nach französischem Gesetz Sklaverei erlaubt, andererseits lag Missouri nördlich der Begrenzungslinie und somit sklavenfrei. Der "Missouri-Kompromiß" teilte das Land in einen sklavenfreien Teil der Union und in ein sklavenhaltendes Rest-Missouri.
Zusätzlich wurde Florida von Spanien abgekauft.

Andrew Jackson


Der siebte Präsident Andrew Jackson (1829-1837) trat mit dem "rotation of office"-Prinzip für die Demokratisierung der Verwaltung ein. Nun konnte jeder Bürger durch einen zyklischen Wechsel der Ämter ohne größere Vorkenntnisse in die Politik eintreten. Immer mehr Ämter wurden durch Wahlen, und nicht durch Ernennung besetzt.

Unter seiner Präsidentschaft kam es aber auch zum ersten Versuch eines Südstaates (South Carolina), sich wegen einer hohen Einfuhrsteuer für europäische Waren aus dem Bund zu lösen. South Carolina begründete diesen Schritt damit, daß die Souveränität der Bundesstaaten durch die Steuergesetze verletzt werde. Durch diesen Vorfall verstärkten sich die Spannungen zwischen dem Norden und Süden.

John Tyler und James K. Polk


Die Innen- und Außenpolitik in den 1840ern und 1850ern Jahren unter den Präsidenten
John Tyler (1841-1845) und James K. Polk (1845-1849) drehte sich vor allem um die wachsenden Spannungen zwischen Norden und Süden.

Der bis dato freie Staat Texas, der den Krieg gegen Mexiko gewonnen hatte, beantragte die Aufnahme in die Vereinigten Staaten und wurde als Staat auf dem Territorium der Vereinigten Staaten anerkannt, um den komplizierten und problematischen Prozeß der Aufnahme nach internationalem Recht zu entgehen.

Polk trat 1845 für die Ausdehnung nach Westen ein und legte den Streit mit England, durch Festsetzung der Grenzen zu Kanada am 49. Breitengrad, bei. 1846 provozierte er Mexiko zu einem zweijährigen Krieg, in dem die amerikanische Armee große Teile des heutigen New Mexico, Arizona und Kalifornien erobern konnte.

Dieser Sieg führte zu einem der dunkelsten Kapitel der amerikanischen Geschichte, das heutzutage immer noch gern von den Amerikanern verdrängt wird: Die Vertreibung und Ermordung von Millionen Indianern. Sie mußten den Scharen von Siedlern, die z.B. in Kalifornien nach Gold suchten, nach blutigen Kämpfen in kleine Reservate ausweichen, in denen sie heute noch teilweise in großer Armut leben müssen (z.B. Apachen-Reservat in Arizona).

Mit der Zeit wuchs jedoch in den Nordstaaten die Kritik am Mexikokrieg, weil viele Nordstaatler durch die neuen Gebiete eine Ausweitung der Sklaverei befürchteten.
Durch den "Clay-Kompromiß" wird 1850 die Sklavenfrage den Einzelstaaten New Mexico und Utah überlassen.

Die Ausbreitung der Sklaverei veranlaßte die Gegner der Sklaverei (Abolitionisten) 1854, die "Republikanische Partei" unter Vorsitz von John C. Freemont zu gründen.
1856 unterlag er nur knapp dem demokratischen Kandidaten Buchanan.

Abraham Lincoln / Sezession der Südstaaten


Vier Jahre später gewann der republikanische Kandidat Abraham Lincoln die Präsidentschaftswahl. Die Wahl Lincolns zum Präsidenten hatte den Austritt von South Carolina (20.12.1860), Georgia, Florida, Alabama, Mississippi, Louisiana und Texas (bis 1.2.1861) aus der Union zur Folge. Diese sieben Staaten gründeten am 8.2.1861 in Montgomery/Alabama die "Confederate States of America" unter Präsident Jefferson Davis. Gleichzeitig wurde eine neue Verfassung verabschiedet, in der die Sklaverei angeregt und die Vorrangigkeit der Rechte der Einzelstaaten gegenüber einer Zentralregierung betont wurde.

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Der amerikanische Bürgerkrieg (1861-1865)


Als Lincoln am 12. April 1861 ein Flottenkommando nach Fort Sumter schickte, um dies zu sichern, eröffnete die "Confederate Army" das Feuer auf Fort Sumter, und der Bürgerkrieg war unaufhaltsam im Gang. Die ganze Welt erwartete einen schnellen Sieg der Südstaaten, da sie die besseren Generäle, größere Truppen und Kriegsbegeisterung hatten.

Am Anfang lief der Krieg gut für die Südstaaten. Angriffe der Unionstruppen auf die Südstaatenhauptstadt Richmond/Virgina wurden zurückgeschlagen. Den Nordstaaten gelang es jedoch, New Orleans zu erobern und damit den Mississippi zu kontrollieren. Das Südstaatenterritorium wurde geteilt und die Osthälfte wurde vom Nachschub aus dem Westen abgeschnitten. Zusätzlich zeigte die Seeblockade gegen europäische Einfuhren immer mehr Wirkung.

Die Wende des Kriegs zugunsten der Nordstaaten war die Niederlage der Schlacht von Gettysburg unter Südstaatengeneral Robert E. Lee. Dem Nordstaatengeneral Ulysses S. Grant gelang es, die Abwehrreihen vor Richmond zu durchbrechen und Richmond zu besetzen. Am 26. April 1865 kapitulierten die Südstaaten, und der Krieg war beendet.

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Die Folgen des Sieges der Nordstaaten


Mit dem Sieg des Nordens wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft, aber immer noch vereinzelt praktiziert. Die von der Verfassung festgeschriebene Chancengleichheit aller Menschen traf faktisch auf die Indianer und Sklaven nicht zu. Sie kämpfen heute noch um Freiheit und Anerkennung, und vor allem gegen Diskriminierung in den Vereinigten Staaten.

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Quellenangaben


Schroedel/Schöningh

USA und UdSSR
Entstehung und Entwicklung der Weltmächte
(Materialien für den Sekundärbereich II)
Auflage 1 1986
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Schroedel/Schöningh

Zeiten und Menschen
Band 2
Vom Zeitalter der bürgerlichen Revolutionen
bis zum 2.Weltkrieg
Neue Ausgabe G 1986
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Heinrich Pleticha

Weltgeschichte Band 9
Alte Völker, neue Staaten
1. Auflage 1989
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Heinrich Pleticha

Weltgeschichte Band 10
Fürstenhöfe und Fabriken
1. Auflage 1989
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dtv-Atlas zur Weltgeschichte

Band 2
25. Auflage 1991

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Friedrichshafen, den 9. Januar 1996
Lk Geschichte GZG


(Sven Röhm)