Die Entwicklung der Demokratie in den Vereinigten Staaten
von Amerika nach der Unabhängigkeitserklärung
Von Sven Röhm Schuljahr 1995/96
GZG,
Graf-Zeppelin-Gymnasium, Friedrichshafen
Inhalt
Der Weg zur Demokratie
Die englische Regierung beschloß nach dem Kolonialkrieg von 1754-63,
die Steuern in den amerikanischen Kolonien zu erhöhen, um Kriegsschulden
tilgen zu können. England verbot die Ausdehnung nach Westen und gab
die Appalachen als Siedlungsgrenze an. Die wachsenden Spannungen (no taxation
without representation) führten zum Unabhängigkeitskrieg (1775-1783)
gegen England mit dem Oberkommandierenden George Washington. Neben den unzuverlässigen
englischen Söldnertruppen mußten die Kolonisten gegen englandtreue
Loyalists und mit England verbündete Indianerstämme kämpfen.
Am 4. Juli 1776 erklären die amerikanische Kolonien ihre Unabhängigkeit
von England und den Bund aus 13 Staaten. Sie verkünden die Menschenrechte
("life, liberty and pursuit of happiness") und das politische
Widerstandsrecht. In dieser Zeit trat der erste amerikanische Abgesandte
Benjamin Franklin in Europa für das amerikanische Anliegen ein. Frankreich
und Spanien traten in den Krieg ein und kämpften an der Seite der amerikanischen
Kolonien gegen England. 1783 wurde in Versailles der Versailler Friedensvertrag
unterzeichnet, der die Anerkennung der Vereinigten Staaten von Amerika beinhaltete.
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Die amerikanische Verfassung
Bereits 1776 hatten die verschiedenen Staaten nach der Unabhängigkeitserklärung
individuell Verfassungen entwickelt, die alle Volkssouveränität,
Gewaltenteilung und Trennung von Kirche und Staat als Hauptpunkte teilten
und einen lockeren Staatenbund zustimmten (Articles of Confederation).
Die "Verfassungsväter" (Founding Fathers) traten auf dem
Konvent zu Philadelphia (1787) zusammen und beschlossen, die herrschende
Wirtschaftskrise durch eine zentrale politische Macht und einen einheitlichen
Binnenmarkt zu lösen (Articles of Union). Die Delegierten des Konvents
waren vor allem bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft,
Handel und Wirtschaft.
Unter der Leitung von George Washington setzten die zentralistischen Federalists
ihr Konzept einer repräsentativen Demokratie mit bundesstaatlich-präsidentellem
Regierungssystem gegen die Anhänger eines lockeren Staatenbundes durch.
Am 17. September 1787 nahm der Konvent den Verfassungsentwurf an (Articles
of Union). 1788 trat die Verfassung mit der erforderlichen Zustimmung von
9 Bundesstaaten in Kraft.
Die Verfassung konstruierte den Herrschaftsapparat so, daß die Macht
nicht von einer Gewalt alleine getragen, sondern daß die Macht in
drei Gewalten namens Legislative, Exekutive und Judikative geteilt wurde
(Gewaltenteilung). Alle drei Gewalten haben so viele Kompetenzen, daß
sie zu den anderen ein Gegengewicht darstellen (seperation of power, checks
and balances).
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Die Exekutive
Der Präsident ist die Exekutive. Er hat in Kriegs- oder Krisensituationen
den Oberbefehl über das Militär (kann aber keinen Krieg erklären)
und leitet die Außenpolitik. Er ist für die Bundesverwaltung
zuständig, benötigt aber die Zustimmung des Senats
(z.B. Beamtenverteilung, Ernennung der Bundesrichter). Der Präsident
wird alle 4 Jahre durch vom Volk gewählte Wahlmänner im November
gerader Jahre gewählt. Seine Amtseinführung findet aber erst im
März des darauffolgenden Jahres statt.
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Die Legislative
Die Legislative ist der Kongreß, der sich aus dem Senat und dem Repräsentantenhaus
zusammensetzt. Die Aufgabe des Kongresses besteht darin, Steuerfragen, Wirtschafts-
und Handelsfragen zu klären und das Militär zu finanzieren. Nur
der Kongreß kann im Namen der Vereinigten Staaten von Amerika einem
anderen Land den Krieg erklären oder über militärische Operationen
abstimmen. Im Repräsentantenhaus sind 435 Repräsentanten vertreten,
die direkt vom Volk gewählt werden. Im Senat sind zwei Senatoren pro
Staat vertreten, die bis 1913 von der Staatslegislative bestimmt wurden
und heutzutage direkt vom Volk gewählt werden.
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Die Judikative
Der Oberste Gerichtshof (Supreme Court) überwacht als Judikative die
Handlungen des Präsidenten und des Kongresses. Der Supreme Court kann
z.B. Gesetzentwürfe des Kongresses verhindern und Verfassungsfragen
mitbestimmen. Die Richter des Supreme Court werden vom Präsidenten
auf Lebenszeit ernannt, können aber auch entlassen werden.
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Die Entwicklung Amerikas in der
Zeit nach dem Verfassungsentwurf
1791 wurde die Verfassung durch Grundrechte ergänzt (Zusatzartikel
I-X). Die Hauptpunkte waren die Abschaffung des Zensuswahlrechts und die
persönliche Freiheit des Menschen (Religionsfreiheit, Presse- und Redefreiheit,
Versammlungsfreiheit und das umstrittene Petitionsrecht (Jeder Bürger
darf eine Waffe tragen)). Der Präsident und der Kongreß sollen
immer im Auftrag des Volks handeln.
George Wahington
1789 wurde George Washington zum ersten Präsidenten der Vereinigten
Staaten gewählt. Neben Washington waren Alexander Hamilton (1755-1804)
als Schatzmeister (Finanzminister) und Thomas Jefferson (1743-1826) als
Außenminister für die Außenpolitik und den wirtschaftlichen
Aufschwung verantwortlich. Hamilton entwickelte eine Wirtschaftsplanung,
mit der er die Staatsschulden und die Inflation unter Kontrolle brachte.
Er schuf eine Basis für eine kapitalistische und industrielle Zukunft
Amerikas.
Im Gegensatz zu Hamilton und Washington sah Jefferson Amerikas Zukunft in
einer landwirtschaftlich orientierten Wirtschaft. Zusätzlich gab es
Meinungsverschiedenheiten in außenpolitischen Fragen. Washington und
Hamilton strebten Neutralität an, aber Jefferson meinte, daß
Amerika der französischen Nation in der Revolution, die Amerika im
Unabhängigkeitskrieg geholfen hatte, Beistand leisten müsse.
Am 22. April 1793 wurde eine Neutralitätserklärung erlassen. 1794
einigten sich Amerika und England im Jay-Vertrag über die Aufnahme
von wirtschaftlichen und politischen Beziehungen.1796 trat Washington in
Ruhestand und warnte Amerika vor der Einmischung in europäischen Konflikten.
John Quincy Adams
Seinem Nachfolger John Adams fiel es zunehmend schwerer, sich aus europäischen
Problemen herauszuhalten.1798 erließ die Regierung eine Serie von
"Ausländer- und Ausfuhrgesetzen" (Alien and Sedition Acts).
Diese Gesetze widersprachen den Grundsätzen der Verfassung in den Punkten
der Rede-, Presse- und Einwanderungsfreiheit.
Thomas Jefferson
Im Wahlkampf von 1800 konnte sich der Frankreichsympathisant Thomas Jefferson
mit seinen revolutionären Ideen durchsetzen. Jefferson und sein Schatzmeister
Albert Gallatin verringerten die Staatsschulden auf 45 Millionen Dollar
(ursprünglich 83 Mio. Dollar). Er schaffte eine Reihe innerer Steuern
ab, die durch die Reduzierung der Armee und Marine nicht mehr nötig
waren. Jeffersons größte politische Leistung war der Kauf Louisianas
von Frankreich, womit sich das Bundesgebiet verdoppelte (Kaufpreis: 15 Mio.
Dollar).
James Madison
1808 wurde James Madison zum vierten Präsidenten der Vereinigten Staaten
gewählt.
Das aggressive Verhalten Englands, das amerikanische Handels- und Kriegsschiffe
überfiel und amerikanische Soldaten entführte, veranlaßte
den Kongreß 1812, England den Krieg zu erklären und zu versuchen,
Kanada zu erobern.
1814 wurde der Genfer Friedensvertrag geschlossen, der keinen materiellen
Vorteil für Amerika brachte. Amerika erkannte die Unantastbarkeit Kanadas
an, und England sah ein, daß aus den ehemaligen amerikanischen Kolonien
ein machtvoller Staat geworden war. Daraus entwickelte sich ein stabiles
Bündnis zwischen Amerika und England.
James Monroe
Unter Präsident James Monroe (R 1817-1825) erlebten die Vereinigten
Staaten ein starkes Industriewachstum und einen starken Ausbau der Infrastrukturen.
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Das aufkommende Sklavenproblem
Im Süden stieg die Baumwollproduktion und die Sklavenwirtschaft. Die
"Mason and Dixon Line" (Ohio und Maryland) stellte dabei zwischen
den Sklavenhalterstaaten und den sklavenfreien Staaten.
1819 stellte das Missouri-Territorium den Antrag, als Staat anerkannt zu
werden, und zwar mit einer Verfassung, die Sklaverei zuließ. Einerseits
war Missouri ein Teil des Louisiana-Purchase und nach französischem
Gesetz Sklaverei erlaubt, andererseits lag Missouri nördlich der Begrenzungslinie
und somit sklavenfrei. Der "Missouri-Kompromiß" teilte das
Land in einen sklavenfreien Teil der Union und in ein sklavenhaltendes Rest-Missouri.
Zusätzlich wurde Florida von Spanien abgekauft.
Andrew Jackson
Der siebte Präsident Andrew Jackson (1829-1837) trat mit dem "rotation
of office"-Prinzip für die Demokratisierung der Verwaltung ein.
Nun konnte jeder Bürger durch einen zyklischen Wechsel der Ämter
ohne größere Vorkenntnisse in die Politik eintreten. Immer mehr
Ämter wurden durch Wahlen, und nicht durch Ernennung besetzt.
Unter seiner Präsidentschaft kam es aber auch zum ersten Versuch eines
Südstaates (South Carolina), sich wegen einer hohen Einfuhrsteuer für
europäische Waren aus dem Bund zu lösen. South Carolina begründete
diesen Schritt damit, daß die Souveränität der Bundesstaaten
durch die Steuergesetze verletzt werde. Durch diesen Vorfall verstärkten
sich die Spannungen zwischen dem Norden und Süden.
John Tyler und James K. Polk
Die Innen- und Außenpolitik in den 1840ern und 1850ern Jahren unter
den Präsidenten
John Tyler (1841-1845) und James K. Polk (1845-1849) drehte sich vor allem
um die wachsenden Spannungen zwischen Norden und Süden.
Der bis dato freie Staat Texas, der den Krieg gegen Mexiko gewonnen hatte,
beantragte die Aufnahme in die Vereinigten Staaten und wurde als Staat auf
dem Territorium der Vereinigten Staaten anerkannt, um den komplizierten
und problematischen Prozeß der Aufnahme nach internationalem Recht
zu entgehen.
Polk trat 1845 für die Ausdehnung nach Westen ein und legte den Streit
mit England, durch Festsetzung der Grenzen zu Kanada am 49. Breitengrad,
bei. 1846 provozierte er Mexiko zu einem zweijährigen Krieg, in dem
die amerikanische Armee große Teile des heutigen New Mexico, Arizona
und Kalifornien erobern konnte.
Dieser Sieg führte zu einem der dunkelsten Kapitel der amerikanischen
Geschichte, das heutzutage immer noch gern von den Amerikanern verdrängt
wird: Die Vertreibung und Ermordung von Millionen Indianern. Sie mußten
den Scharen von Siedlern, die z.B. in Kalifornien nach Gold suchten, nach
blutigen Kämpfen in kleine Reservate ausweichen, in denen sie heute
noch teilweise in großer Armut leben müssen (z.B. Apachen-Reservat
in Arizona).
Mit der Zeit wuchs jedoch in den Nordstaaten die Kritik am Mexikokrieg,
weil viele Nordstaatler durch die neuen Gebiete eine Ausweitung der Sklaverei
befürchteten.
Durch den "Clay-Kompromiß" wird 1850 die Sklavenfrage den
Einzelstaaten New Mexico und Utah überlassen.
Die Ausbreitung der Sklaverei veranlaßte die Gegner der Sklaverei
(Abolitionisten) 1854, die "Republikanische Partei" unter Vorsitz
von John C. Freemont zu gründen.
1856 unterlag er nur knapp dem demokratischen Kandidaten Buchanan.
Abraham Lincoln / Sezession der Südstaaten
Vier Jahre später gewann der republikanische Kandidat Abraham Lincoln
die Präsidentschaftswahl. Die Wahl Lincolns zum Präsidenten hatte
den Austritt von South Carolina (20.12.1860), Georgia, Florida, Alabama,
Mississippi, Louisiana und Texas (bis 1.2.1861) aus der Union zur Folge.
Diese sieben Staaten gründeten am 8.2.1861 in Montgomery/Alabama die
"Confederate States of America" unter Präsident Jefferson
Davis. Gleichzeitig wurde eine neue Verfassung verabschiedet, in der die
Sklaverei angeregt und die Vorrangigkeit der Rechte der Einzelstaaten gegenüber
einer Zentralregierung betont wurde.
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Der amerikanische Bürgerkrieg
(1861-1865)
Als Lincoln am 12. April 1861 ein Flottenkommando nach Fort Sumter schickte,
um dies zu sichern, eröffnete die "Confederate Army" das
Feuer auf Fort Sumter, und der Bürgerkrieg war unaufhaltsam im Gang.
Die ganze Welt erwartete einen schnellen Sieg der Südstaaten, da sie
die besseren Generäle, größere Truppen und Kriegsbegeisterung
hatten.
Am Anfang lief der Krieg gut für die Südstaaten. Angriffe der
Unionstruppen auf die Südstaatenhauptstadt Richmond/Virgina wurden
zurückgeschlagen. Den Nordstaaten gelang es jedoch, New Orleans zu
erobern und damit den Mississippi zu kontrollieren. Das Südstaatenterritorium
wurde geteilt und die Osthälfte wurde vom Nachschub aus dem Westen
abgeschnitten. Zusätzlich zeigte die Seeblockade gegen europäische
Einfuhren immer mehr Wirkung.
Die Wende des Kriegs zugunsten der Nordstaaten war die Niederlage der Schlacht
von Gettysburg unter Südstaatengeneral Robert E. Lee. Dem Nordstaatengeneral
Ulysses S. Grant gelang es, die Abwehrreihen vor Richmond zu durchbrechen
und Richmond zu besetzen. Am 26. April 1865 kapitulierten die Südstaaten,
und der Krieg war beendet.
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Die Folgen des Sieges der Nordstaaten
Mit dem Sieg des Nordens wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft, aber
immer noch vereinzelt praktiziert. Die von der Verfassung festgeschriebene
Chancengleichheit aller Menschen traf faktisch auf die Indianer und Sklaven
nicht zu. Sie kämpfen heute noch um Freiheit und Anerkennung, und vor
allem gegen Diskriminierung in den Vereinigten Staaten.
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Quellenangaben
Schroedel/Schöningh
USA und UdSSR
Entstehung und Entwicklung der Weltmächte
(Materialien für den Sekundärbereich II)
Auflage 1 1986
-----
Schroedel/Schöningh
Zeiten und Menschen
Band 2
Vom Zeitalter der bürgerlichen Revolutionen
bis zum 2.Weltkrieg
Neue Ausgabe G 1986
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Heinrich Pleticha
Weltgeschichte Band 9
Alte Völker, neue Staaten
1. Auflage 1989
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Heinrich Pleticha
Weltgeschichte Band 10
Fürstenhöfe und Fabriken
1. Auflage 1989
-----
dtv-Atlas zur Weltgeschichte
Band 2
25. Auflage 1991
Zum Inhalt
Friedrichshafen, den 9. Januar 1996
Lk Geschichte GZG
(Sven Röhm)