Jahresarbeit von Michael Höllwarth
1995/96

Sternsingen



Inhalt:

  1. Die Heiligen Drei Könige
    -Von der Erwähnung in der Bibel bis zum Dreikönigsfest-
  2. Das heutige Sternsingen
    1. Ziele der Sternsingeraktion
    2. Die Träger der Sternsingeraktion
    3. Projektarbeit
    4. Der Ablauf der Sternsingeraktion
  3. Persönliche Erlebnisse während meiner Sternsingerzeit
  4. Was bedeutet für mich die Teilnahme am Sternsingen?

I Die Heiligen Drei Könige


F R O H E B O T S C H A F T

Der Evangelist Matthäus erzählt von einem Stern, der bei der Geburt Jesu am Himmel aufging. Alle konnten ihn sehen, aber nur wenige trauten seiner Botschaft.
(Aus dem Matthäusevangelium, 2. Kapitel, Verse 1-12):

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren
worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und
fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen
Stern aufgehen sehen und sind gekommen , um ihm zu huldigen. Als
König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem. Er
ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes
zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias
geboren werden solle. Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn
so steht es bei dem Propheten: Du Betlehem im Gebiete von Juda, bist
keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda;
denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.
Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von
ihnen sagen, wann der Stern erschienen war. Dann schickte er sie nach
Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach , wo das Kind ist;
und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und
ihm huldige. Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den
Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis
zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern
sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus
und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und
huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm
Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum
geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem
anderen Weg heim in ihr Land.

Das Fest der Epiphanie, d. h. das Fest der Offenbarung Christi, stammt aus der Liturgie der Ostkirche. Erst im 7./8. Jahrhundert, in Zusammenhang mit heidnischen Festen und dem Gedenken an die Taufe Jesu im Jordan, der Geschichte von den Magiern und der Erzählung über die Hochzeit von Kana, und als man mehrere Feste auf einen Tag konzentrierte, setzte sich das Fest der drei Magier durch, das Dreikönigsfest.

Aus den Magiern wurden im 6. Jahrhundert Könige. Im 9. Jahrhundert kannte man dann sogar ihre Namen:
Kaspar, Melchior und Balthasar.

In Mailand tauchten schließlich ihre angeblichen Gebeine auf, und nach der überführung dieser Reliquien nach Köln durch Erzbischof Rainald von Dassel erlebte ihr Kult nördlich der Alpen im 12. Jahrhundert einen großen Aufschwung. Noch heute schickt der Kölner Erzbischof die großen und kleinen Sänger hinaus in die Straßen, damit sie von Frieden und Heil künden.

Schon bald wurden wurden bei den Weihnachtskrippen die drei Könige anstatt der Hirten verwendet. Mal wurden sie als Vertreter der damals bekannten drei Erdteile, mal als Könige und türkische Herrscher dargestellt.

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II Das heutige Sternsingen

1) Ziele der Sternsingeraktion


übriggeblieben ist von den vielen Bräuchen das Sternsingen der Kinder, die als Könige verkleidet mit einem leuchtenden Stern voran von Haus zu Haus ziehen und mit Liedern um milde Gaben bitten.

Der Zug der Sternsinger soll die Getauften an ihre Verantwortung für die Ausbreitung des Glaubens erinnern und Spenden für diese weltweite Aufgabe der Kirchen erbitten.

Mit der Anrufung der Magier verband man einen Abwehrsegen gegen alles Unheil im kommenden Jahr für Haus und Hof. Den meisten ist der mit Kreide an die Haustür geschriebene Spruch

" Christus Mansionem Benedicat "
( Christus segne dieses Haus)

z. B. 19 * C + M + B * 96 ein Zeichen, daß die Sternsinger/innen am Dreikönigsfest die Wohnungen besucht haben.

Die bundesweite Aktion hat einen festen Platz in der katholischen Jugendarbeit eingenommen.
In Gruppenstunden, vorbereitenden Gesprächen und Wortgottesdiensten soll zusammen mit den mithelfenden Erwachsenen ein Bewußtsein für die Probleme der unterentwickelten Länder, für die Not in der Dritten Welt geweckt werden.

Kinder übernehmen die Rolle, Frieden in der Welt zu leisten. Außerdem lernen sie die Geschichte und Bedeutung anderer Länder kennen. Somit ist Sternsingen nicht nur dazu da, möglichst viel Geld zu sammeln und damit Kindern in armen Ländern eine Freude zu machen.

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2) Die Träger der Sternsingeraktion


Die Aktion Dreiköngssingen wurde vom Päpstlichen Missionswerk der Kinder ( PMK ) in Deutschland ins Leben gerufen.
Seit 1964 ist der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) mitverantwortlich für das Sternsingen.

3) Projektarbeit


a) Vergabekriterien


Der Einsatz der deutschen Kinder und Jugendlichen für die Kinder und Jugendlichen in den Ländern der Dritten Welt wird durch die unterschiedlichsten Projekte deutlich gemacht.

" Damit Kinder leben können" - dieser Satz zeigt das Ziel und den Auftrag, denen diese Projekte dienen. Sie sind eine Hilfe gegen die Bedrohungen für die Gesundheit der Kinder in den armen Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Ozeaniens.

Alle Projekte müssen unmittelbar Kindern und Jugendlichen zugute kommen. Dabei ist der soziale und pastorale Gesichtspunkt in gleicher Weise von Bedeutung.

Es werden Projekte gefördert, durch die die Lebensbedingungen und Zukunftschancen der Kinder verbessert werden. Ebenso wichtig ist der Einsatz in Katastrophengebieten, wo schnell eine überlebenshilfe gegeben werden muß.

Bei allen Projekten wird versucht, Hilfte zur Selbsthilfe zu leisten.

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b) Projekte im überblick


Bibelaktion - Druck von Kinder- und Jugendbibeln

Kindergärten
Vorschulerziehung
Betreuung von Kleinkindern berufstätiger Eltern
Ausbildung von Kindergärtnerinnen

Schulen
Grundschulen

weiterführende Schulens, besonders für Mädchen
Schülerwohnheime für Kinder aus ländlichen Gebieten
Internatsschulen für den Nachwuchs in geistlichen Berufen
Schulgebühren für Waisen- und Flüchtlingskinder
Alphabetisierungsprogramme für die Eltern

Wasserversorgung
Trinkwasserversorgung für Schulen und Kinderheime
sanitäre Einrichtungen
Bewässerung von Schulgärten

Katastrophenhilfe
Medikamentenlieferung
Unterbringung von Flüchtlings- und Waisenkindern
Hausbau für kinderreiche Familien
Wiederaufbau von Schulen und Heimen

Kinderkatechese
Ausbildung von Katecheten für den Religionsunterricht
Unterstützung einheimischer christlicher Kinder- und Jugendbewegungen
katechetische Sommerlager
Sonntagsschulen

Berufsausbildung
Einrichtung von Klassen für Berufsschulunterricht
handwerkliche Ausbildungszentren für Jugendliche
landwirtschaftliche Ausbildung für vorzeitige Schulabgänger

Kindertagesstätten
vorübergehende Aufnahme von Straßenkindern
Betreuung von Kindern aus zerrütteten Familien
Wiedereingliederung ind den Schulbesuch
Ernährungsprogramme

Waisenhäuser
Aufnahme von Kindern, deren Mütter bei der Geburt gestorben sind
Aufnahme von Straßenkindern
Aufnahme von straffällig gewordenen Kindern u. Jugendlichen
Anschaffung von Fahrzeugen zur Kontaktnahme mit den Angehörigen

Einrichtungen für behinderte Kinder
Beratungsprogramme für Familien mit behinderten Kindern
Ausbildung von Pflegepersonal für geistig behinderte Kinder
Anschaffung von Fahrzeugen zur Beförderung behinderter Kinder

Zentren für Gesundheits- und Ernährungsprogramme
Beratungsprogramme für Mutter und Kind
Einrichtung von Tagesküchen
Einrichtung von Krankenstationen und Dorfapotheken
Beihilfe für stationäre Behandlung f. Kinder aus mittellosen Familien
Anbau von Landwirtschaft u. Kleinviehzucht zur Selbstversorgung
Ausbildung von Kindern leprakranker Elter

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c) Projekt 1996


KEADILAN
Gerechtigkeit für alle,
damit Kinder heute leben können

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4) Ablauf der Sternsingeraktion


a) Vorbereitung


Zur Vorbereitung gehören übungsstunden, in denen wir mit unserer Chorleiterin Veronika Weber die Lieder üben, die wir bei den Familien singen. Dies ist natürlich besonders wichtig für die Kinder, die zum ersten Mal beim Sternsingen mitmachen.
Eine Stunde wird dazu verwendet, Kronen zu basteln.
Am Ende der Vorbereitungszeit müssen dann noch die Gewänder ausgesucht bzw. anprobiert werden.

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b) Segnung und Aussendung der Sternsinger


Die Sternsinger werden innerhalb eines Gottesdienstes ausgesendet. Die Sendung erfolgt vor dem Schlußsegen. Vorher werden die Sternsinger, ihre Kreide und die Sterne gesegnet.
Das geht etwa wie folgt vor sich:

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c) Wie läuft ein Tag beim Sternsingen in meiner Pfarrgemeinde St. Petrus Canisius ab?


Die Sternsinger treffen sich um ca. 15.00 Uhr zum Anziehen und Schminken im Petrussaal. Anschließend geht oder fährt man mit einem erwachsenen Begleiter in das Gebiet, das der Sternsingergruppe zugeteilt wurde ( die Pfarrgemeinde wurde anhand eines Stadtplanes in 7 Gebiete aufgeteilt). Ab 1996 wurden nur noch die katholischen Einwohner aufgesucht; deshalb mußte man auch eine Namensliste mitnehmen. Allerdings besuchten wir auch einige evangelische Familien, von denen wir wußten, daß sie Wert auf einen Besuch der Sternsinger legen.

In früheren Jahren mußten wir in die Häuser, in denen wir niemand antrafen, noch einmal gehen. Das konnte dann dazu führen, daß wir am Ende nicht mehr genügend Zeit hatten, alle Gemeindemitglieder zu besuchen. Aus diesem Grund wurde es ab 1996 so gemacht, daß wir bei den Leuten, die wir nicht antrafen, einen Zettel in den Briefkasten werfen mußten.

Beim Besuch der Menschen singt man, trägt Gedichte vor und schreibt den Segensspruch an die Tür.
Das geht in folgender Reihenfolge vor sich:

Gegen 19.00 Uhr treffen sich alle wieder im Petrussaal, wo es ein gemeinsames Essen gibt, das die Mütter der Sternsinger/innen gekocht haben.

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d) Der Abschluß der jährlichen Sternsingeraktion


Den feierlichen Abschluß der Sternsingeraktion bildet jedes Jahr ein festlicher Gottesdienst am Dreikönigsfest, an dem alle Sternsinger/innen teilnehmen.

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III Persönliche Erlebnisse während meiner Sternsingerzeit


Als Sternsinger habe ich viele schöne, aber auch weniger schöne Erlebnisse gehabt. - Manche Leute knallten uns die Tür vor der Nase zu, wieder andere hatten "jetzt gerade" keine Zeit. Es kam sogar vor, daß jemand sagte, es sei niemand zu Hause. - Einmal hatte uns ein Arzt außerhalb der normalen Sternsingerzeiten zu sich gebeten. Der Grund war seine Geburtstagsfeier. Da viele bekannte und auch reiche Leute da waren, hofften wir auf reichliche Spenden, aber von diesen reichen Leuten wurden wir ziemlich enttäuscht.
Allerdings muß ich sagen, daß die schönen Erlebnisse doch überwiegen. Arme Menschen spendeten für ihre Verhältnisse sehr viel. Manche freuten sich so, daß sie weinen mußten. Viele gaben uns zu ihrer Spende zusätzlich noch Nüsse, äpfel und vor allem Süßigkeiten. Vor ein paar Jahren haben alle Sternsinger von Petrus Canisius beschlossen, alle Süßigkeiten kroatischen Kindern, die während des Krieges einige Wochen in Friedrichshafen waren, zu schenken.
So habe ich durch die Sternsingeraktionen viele verschiedene Menschen kennengelernt und erfahren, daß die Hilfsbereitschaft der Menschen insgesamt doch sehr groß ist.

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IV Was bedeutet für mich die Teilnahme an den Sternsingeraktionen?


Mit der Teilnahme am Sternsingen möchte ich persönlich den Kindern in der Dritten Welt helfen, d. h. ich möchte meine Freizeit für sie opfern, aber auch mit gutem Beispiel vorangehen und die Menschen anregen, den armen Kindern zu helfen. Ein weiterer Grund ist, daß wir auch den Menschen, die wir besuchen, Freude bereiten. Nicht zuletzt möchte ich sagen, daß mir das Sternsingen viel bedeutet, weil es ein Gemeinschaftserlebnis ist und es Spaß macht, bei den Menschen zu singen.
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