Das Leben in den Kreuzfahrerstaaten
Übersicht:
Leben der Muslime in den Kreuzfahrerstaaten
Offensichtliche Überlegenheit der moslemischen
Kultur
Übernahme muslimischer Sitten
Bildung
Auch Not und Elend
Schlechter Ruf der Kreuzfahrer in Europa
Strafe Gottes: Schlacht von Hattin und Eroberung
Jerusalems
Was die Muslime von uns Franken hielten
Leben der Muslime in den Kreuzfahrerstaaten
Trotz der neuen Herren aenderte sich das Leben der islamischen Bevoelkerung
in den Kreuzfahrerstaaten kaum. Wir versuchten die Muslime von unserer abendlaendiscen
und christlichen Lebensart zu ueberzeugen, hatten aber keinen Erfolg. Die
Voelker des Morgenlandes waren einfach voellig anders geartet, ihre Lebenseinstellung
der unseren zu fremd.
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Offensichtliche Überlegenheit
der moslemischen Kultur
Die einheimische Bevoelkerung war uns zudem an Kultur und Bildung weit ueberlegen.
Ihre Kenntnisse in Philosophie und in den Wissenschaften der Mathematik,
Geographie, Chemie und Astronomie basierten auf dem Wissen der antiken Griechen
und waren durch ihre Wissenschaftler und Gelehrten erweitert worden.
Ihre Philosophie und ihr Glaube waren flexibler und toleranter. Bevor wir
im Heiligen Lande einzogen, lebten dort Muslime, Juden und sogar Christen
friedlich miteinander.
Medizin
Ihre Medizin war hoch entwickelt, waehrend unsere abendlaendischen Aertzte
nicht mehr als Scharlatane und Quacksalber waren. Entzuendete oder gebrochene
Gliedmassen wurden bei uns amputiert, auf Wunden tat man Salz oder Essig
, bei Fieber oder anderen Erkrankungen diagnostizierte der Arzt, dass der
Patient vom Teufel befallen sei, und trieb diesen aus, indem er dem Patienten
in die kahlrasierte Schaedelhaut ein Kreuz ritzte. Viele Patienten erlagen
diesen Heilmethoden, anstatt zu genesen.
Die moslemischen Aerzte aber waren mit vielen Koerperfunktionen und -vorgaengen
vertraut. Sie kannten viele Heilkraeuter wie Myrrhe, Balsam, Moschus, Kampfer
und Sennesblaetter. Bei Geschwueren und Verwundungen benuetzten sie Umschlaege,
bei Magenverstimmung oder anderen Beschwerden verordneten sie wirksame Diaeten.
Deshalb bevorzugten wir Kreuzfahrer die einheimischen Aertzte gegenüber
den unseren.
Die mathematischen Kenntisse des komplexen arabischen Zahlensystem uebernahmen
die Muslime aus Indien.
Die Ritter und Krieger der Muslime waren nicht nur mutige und tapfere Kaempen,
sondern auch von hoher Bildung und Kultur. Fast jeder besser gestellte Muslim
beherrschte die Kunst der Schrift und des Lesens, waehrend die meisten meiner
christlichen Kameraden Analphabeten waren.
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Übernahme muslimischer Sitten
Schon nach kurzer Zeit begannen wir die Kultur und die Lebensweisse der
Muslime zu uebernehmen und sie zu unserem Nutzen zu gebrauchen. Es kam wie
zuvor in Spanien und auf Sizilien zu einer Verschmelzung abendlaendischer-christlicher
und morgenlaendischer-islamischer Kultur. Diese Verschmelzung beeinflusste
unsere Kultur, unsere Wissenschaften und unsere Architektur durch die zurueckkehrenden
Kreuzfahrer nachtraeglich.
Wir Kreuzritter fuehrten im Heiligem Lande nach der Weise der muslimischen
Lebensart ein angenehmes und luxurioeses Leben. Um uns dem Klima anzupassen,
gewoehnten wir es uns an, die luftigen Maentel, Burnus, Turbane und Sandalen,
wie sie die Einwohner dort trugen, ebenfalls zu tragen. Auch waren wir nun
auf unsere Schoenheit bedacht. Wir legten Wert auf kostbare und edle Kleidung,
liessen uns sehenswerte Haar- und Bartfrisuren schneiden, wie es bei den
Moslems ueblich war.
Wir uebernahen auch die morgenlaendische Hygiene, die im Gegensatz zu den
erbaermlichen Hygieneverhaeltnissen in Westeuropa sehr entwickelt war, zum
Beispiel die Angewohnheit, sich taeglich zu waschen, galt in unserer Heimat
als ueberfluessig, obwohl sie, wie ich von einem Arzt der Muslime erfuhr,
vielen Krankheiten vorbeugte.
Auch der Gebrauch von Schoenheitsmitteln und Duftstoffen war im Abendland
verpoent, da dadurch die Todsuende der Eitelkeit entstuende. Dennoch gewoehnten
sich unsere Frauen und Toechter, die wir mit uns ins Morgenland genommen
hatten, an, die kostbaren orientalischen Parfueme zu benutzen, und machten
es den einheimischen Frauen gleich, sich das Gesicht zu pudern und Lippen
und Wangen mit Ocker roetlich zu faerben. Ausserdem trugen sie wie die Frauen
der Muslime einen Schleier vor dem Gesicht, um sich vor der Hitze zu schuetzen.
Bald ernaehrten wir uns nicht mehr von den einfachen Gerichten des Abendlandes,
sondern erfreuten unseren Gaumen mit den edlen und gewuerzten Speisen des
Orients. Suessem Wein oder Fruchtsaeften, durch Schnee aus den Gebirgen
gekuehlt, fremdartigen und exotischen Fruechte waren wir sehr zugetan.
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Bildung
Aber auch die Macht und die Bedeutung von Bildung lernten wir zu schaetzen.
Wir erlernten die Kunst der Konversation, vornehmes Benehmen, Kuenste wie
Musik und Malerei und den Umgang mit Frauen und Liebe. Kultur und Bildung
entwickelten sich waehrend dieser Zeit zu einer weiteren Tugend eines Ritters.
Um uns zu unterhalten, veranstalteten wir wie in unserer Heimat Turniere
und Jagden. Von den Einheimischen lernten wir Spiele wie Schach oder Dame,
die spaeter zu einer gern gesehenen Unterhaltung eines Ritters wurden. Aber
wir fanden auch Gefallen an der orientalischen Musik und an orientalischen
Taenzen, besonders aber auch an den Tänzerinnen. Einige Ritter heirateten
sogar einheimische Frauen. Dennoch schloss selten ein Kreuzritter Freundschaft
mit den Muslimen. Zudem ist mir kaum ein Fall bekannt, dass ein christlicher
Ritter sich zum Islam bekehrte.
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Auch Not und Elend
Aber es gab auch Not und Elend zu ertragen. Die Hitze im Morgenland machte
unseren Heeren sehr zu schaffen, die das heisse Klima nicht gewohnt waren.
Die endlosen, unwirtlichen Wuesten, in denen es kein Wasser gab, forderten
ihren Tribut. Viele Pferde und auch Ritter verdursteten. Hinzu kamen schwere
,zum Teil unbekannte Krankheiten und Epidemien wie die Pest, die ganze Heere
zum Verschwinden brachten.
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Schlechter Ruf der Kreuzfahrer in
Europa
Aber die Kreuzfahrer kamen in Westeuropa in schlechten Ruf. Nachfolgende
Pilger und Siedler stellten voller Erstaunen und Entsetzen fest, dass die
Christen, die schon laenger in den Kreuzfahrerstaaten lebten, den unglaeubigen
Muslimen immer aehnicher wurden. Sie mussten zusehen, wie ihre Glaubensgenossen
mit ihren groessten Todfeinden jagten, feierten und sogar deren Toechter
zur Frau nahmen. Ein Pilger schrieb ueber die Kreuzritter : " (...)
verweichlicht, mehr ans Baden als ans Kaempfen gewoehnt, und sie kleiden
sich wie Weiber in Samt und Seide (...). "
im Abendland reagierte man empoert ueber das Verhalten der Kreuzfahrer .
Sie wurden als Suender bezeichnet, ihr Tun galt als Verrat am Christentum.
Ueber ihre Frauen wurde behauptet, dass sie von den Frauen der Moslems die
Hexerei erlernt haetten.
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Strafe Gottes: Schlacht von Hattin
und Eroberung Jerusalems
Der christliche Glaube besagt bekanntlich, dass Gott die Suender bestraft.
Dies sollte sich mit der schmachvollen Niederlage in der Schlacht von Hattin
am 4. Juli 1187 und mit der Eroberung Jerusalems durch Saladin am 2. Oktober
des gleichen Jahres erfuellen.
Trotzdem war die Beruehrung mit der fremdartigen Kultur des Islam fuer das
Christentum von grosser Bedeutung und wird wohl seine Schatten noch weit
in die Zukunft werfen.
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Was die Muslime von uns Franken
hielten
Obwohl wir laengere Zeit im Heiligen Land lebten und viel von der Lebensart
der Muslime uebernahmen, entstand zwischen uns, den christlichen Eroberern,
und der muslimischen Bevoelkerung nicht gerade ein sehr freundschaftlicher
Kontakt. Schon in frueheren Zeiten hatten Christen und Muslime schlechte
Erfahrungen miteinander gemacht und konnten daher auch nicht ohne Vorurteile
dem anderem Glauben begegnen.
Zudem war es den Moslems wohl bewusst, dass sie uns sowohl wissenschaftlich
als auch gesellschaftlich in vielen Aspekten weit ueberlegen waren. Wir
waren fasziniert von ihren Wissenschaften und ihrer Kultur.
Die Muslime aber hatten wenig Verstaendnis fuer unsere abendlaendischen
Braeuche und Sitten. Sie waren verwundert ueber unsere Lebensart und konnten
diese in keiner Weise verstehen. Desshalb gelang es uns nie, unter der muslimischen
Bevoelkerung in den Kreuzfahrerstaaten abendlaendische Sitten einzufuehren.
Die Muslime konnten nie verstehen, dass wir unseren Frauen gewisse Freiheiten
liessen, denn sie hielten ihre Frauen abgesondert und heirateten bisweilen
sogar mehrere.
Ein beruehmter arabischer Zeitgenosse, Usama ibn Munquidh, schrieb : (...)
Die Franken kennen weder Ehrgefuehl noch Eifersucht (...).
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