Die Entstehung des Rittertums







Gezeichnet von
Rose Oelbermann
Klasse 8 a, 1996
Nach: Gilbert/Colbus:
So lebten sie damals -
Die Ritter zur Zeit der Kreuzzüge


Übersicht


Islamische Bedrohung ...
... und Reaktion der Franken: Panzerreiter
Die Ausruestung der Panzerreiter
Panzerreiter erfolgreich
Vom Panzerreiter zum Ritter
Aufnahme in das Lehenssystem
Ritter verhaßt
Unbildung
Gottesfriede
Christliche Ritter
Die Kreuzzugszeit
Verfeinerter Lebensstil
Das ritterliche Tugendsystem



Die Kerntruppen unserer europaeischen Heere und damit auch der Kreuzritterheere stellten zweifellos die schwergepanzerte Kavallerie des Adels, die Ritter. Das Fussvolk spielte zur Zeit der Kreuzzuege eine untergeordnete, aber dennoch wichtige Rolle, zumal es aber in letzter Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt. Um die Kampfesweise und die Bedeutung der Ritter zu verstehen, muss man von der Entstehung des Rttertums an seine Entwicklung bis jetzt verfolgen.

Islamische Bedrohung ...


Anfang des 8. Jahrhunderts landeten die Araber an der Suedkueste der spanischen Halbinsel. Ihr Ziel: den Islam mit Feuer und Schwert nach Westeuropa auszubreiten, nachdem sie ganz Vorderasien und Nordafrika erobert hatten. Die muslimischen Krieger fuehrten einen
"Dschihad", einen heiligen Krieg. Sie ueberrannten die besser geruesteten Heere der Christen, eroberten die Koenigsresidenz Toledo und drangen in nur knapp drei Jahren bis zu den Pyrenaeen, dem Grenzgebirge zum Frankenreich, vor. Spanien wurde zu einem islamischen Staat, was man heute noch in Kunst, Kultur und Architektur sehen kann.

Aber die Gefahr durch die Araber war nicht gebannt. Dem Frankenreich drohten Ueberfaelle und Eroberungszuege der Muslime in die suedlichen Grafschaften. Die Muslime wuerden das Frankenreich genauso wie zuvor Spanien ueberrennen.

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... und Reaktion der Franken: Panzerreiter


Angesichts dieser bedrohlichen Situation machte sich der fraenkische Koenig Karl Martell Gedanken ueber die Verteidigung gegen die ungewohnten Taktiken, mit der die Araber die vielfach besser geruesteten und zahlenmaessig ueberlegenen Heere der Christen besiegt hatten. Die fanatischen Krieger der Muslime stuermten auf ihren schnellen Pferden heran, schossen einen Pfeilhagel auf den Gegner ab, verwickelten dann, wenn sie die Schlachtordnung des Gegners durcheinander gebracht hatten, den Feind in einen Nahkampf. Meist stuermten sie von mehreren Seiten an das feindliche Heer heran. Wenn sie aber auf groesseren, nicht zu brechenden Widerstand stiessen, flohen sie, aber bloss, um aus einer anderen Richtung wieder anzugreifen und das toedliche Spiel von vorn zu beginnen. Gegen diese Angriffstaktik hatten die schwerfaelligen Fusstruppen der Franken wenig zu setzen.


Man brauchte also, um nicht das Schicksal Spaniens zu teilen, beweglichere und schnellere Truppen, die aber trotzdem gut gepanzert waren, um einerseits unbeschadet die Pfeilhagel der Araber zu ueberleben, andererseits musste man sie auch gegen europaeische Heere einsetzen koennen. Ausserdem sollte diese Truppe, viel einstecken koennen, um auch Angriffe abzuwehren, zum anderen sollte sie eine moeglichst gewaltige und brutale Angriffsart besitzen. Zuletzt bedachte man, dass diese Krieger, um den fanatischen Kriegern der Araber Einhalt bieten zu koennen, sehr gut kaempferische Faehigkeiten und ein besonders gute Motivation, also Moral, haben sollten. Fuer diesen Zweck empfahl sich ein schwergepanzerter Berufskrieger zu Pferd, der moeglichst die Interessen seines Herren teilte. Diese Ueberlegungen Karl Martells fuehrten zur Aushebung einer neuen Truppengattung, der sogenannten fraenkischen Panzerreitern, der Vorgaenger der spaeteren Ritter.

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Die Ausruestung der Panzerreiter


Die Panzerreiter waren schwergeruestete Kavallerie. Ihre Ausruestung bestand aus einem Schuppenpanzer, der den Torso wie Oberarme und -beine bedeckte, einem Spangenhelm und einem Holz- oder Lederschild. In selternen Faellen besass er noch eherne Beinschienen. Als Waffen fuehrte er die Lanze und das fraenkische Langschwert, eine Besonderheit der hohen Waffenschiedkunst der Franken und sehr begehrt in ganz Europa, mit sich. Ausserdem gaben der fraenkische Sattel und Steigbuegel dem schwergepanzerten Reiter mehr Halt im Kampf sowie beim Reiten.

Der Schuppenpanzer, auch Bruenne genannt, bestand aus einer Ledertunika, auf welcher wie bei einem Fisch schuppenartig kleine, eiserne Plaettchen befestigt waren. Der Schuppenpanzer schuetzte seinen Traeger gegen Pfeile,
Speere und sogar gegen schwaechere Schwerthiebe. Er liess nicht soviel Bewegungsfreiheit wie das von den Rittern spaeter benutzte Kettenhemd. Dieser Panzer war so kostbar, dass zu manchen Zeiten die Ausfuhr verboten war.
So hatte man nun den arabischen Reiterheeren eine eigene schlagkraeftige Reiterarmee entgegenzuhalten. Ausserdem war der Grundstein fuer das spaetere Rittertum gelegt.

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Panzerreiter erfolgreich


Etwa um 720 fielen die Araber zum ersten mal im Sueden des Frankenreiches ein. Immer haeufiger wurden die Ueberfaelle der Araber. Sie verheerten Staedte, entweihten Kirchen und Kloester, mordeten und versklavten die
Bevoelkerung.

Im Oktober des Jahres 732 konnten die fraenkischen Heere unter Karl Martell die Araber suedlich der Loire zwischen den Staedten Tours und Poitier stellen und in einer zweitaegigen Schlacht vernichtend schlagen. In kleineren Geplaenkeln und Schlachten konnten die Araber wieder hinter die Pyrenaeen zurueckgedraengt werden. Die Panzerreiter hatten sich erfolgreich bewaehrt.

Auch in naechster Zeit spielten sie eine grosse Rolle, wenn es um die Landesverteidigung ging. So kaempften sie gegen die Wikingerhorden, die im 9.Jahrhundert in Westeuropa einfielen, und die Krieger der Ungarn, welche im 10.Jahrhundert Europa ueberrannten. Man denke nur an die Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahre 955, in der die Panzerreiter die ungarischen Angreifer regelrecht niedermetzelten. So wurden die Panzerreiter zum wichtigsten Truppenteil der westeuropaeischen Heere.

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Vom Panzerreiter zum Ritter

Aufnahme in das Lehenssystem


Nun waren die Panzerreiter aber verdammt teuer. Ein vollgeruesteter und bewaffneter Reiter kostete soviel Gold wie 45 Kuehe. Das ist der Viehbestand eines groesseren Dorfes. Aus diesem Grund wurden die Panzerreiter in das Lehensystem aufgenommen. Die Vasallen waren verpflichtet, ihrem Lehensherren im Kriegsfall als Panzerreiter zu Verfuegung zu stehen. Ihre Ausruestung mussten sie aus ihren eigenen Geldern finanzieren. Als Gegenleistung bekamen sie von ihrem Herren Land und Leute sowie Schutz. Somit war auch die Aufgabe des Adels klar und deutlich festgesetzt: KAEMPFEN.

Ungefaehr um diese Zeit herum wurden diese nicht mehr Panzerreiter sondern Ritter genannt. Das Wort Ritter kommt von Reiter, was auf die Tatsache hinwies, dass ein Ritter immer zu Pferd in die Schlacht zog. Aus einem Truppentyp war ein fester Adelstand geworden. Das Rittertum war geboren.

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Ritter verhaßt


Aber es fehlte noch ein wichtiger Schritt zum Rittertum des Hochmittelalters. Diese Krieger, die ja Land und Leute vor Angreifern tapfer verteidigten, wurden vom Volk nicht als Helden oder Retter verehrt, sondern waren so ver-
hasst wie die Pest. Obwohl sie tapfer gegen Feinde ihres Landes kaempften, waren sie zu Hause alles andere als selbstlose Helden. Sie nuetzten das herrschende Chaos, die Katastrohen und die Schwaeche ihrer Landesherren aus, um selbst Kleinkriege und Fehden untereinander auszutragen. Und wie es immer ist, wenn grosse Maenner Krieg fuehren, musste die Zivilbevoelkerung am meisten unter diesen Auseinandersetzungen leiden. Sie musste grosses Elend und Not ertragen. Aber fuer die Ritter des 9. bis 11.Jahrhunderts galt das Faustrecht. Ihre Grundsaetze waren zweifellos:"Mein Schwert ist mein Recht" und "Der Staerkere hat immer Recht". Mit Recht sagte der Abt Bernhard von Clairveaux (1091-1153) ueber die Ritter seiner Zeit:"non militia, sed molitia" (lat."kein Ritter, sondern Elend").

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Unbildung


Zudem waren die Ritter jener Zeit ungebildet. Die wenigsten konnten lesen und schreiben. Geographische, historische und religioese Kenntnisse besassen sie bestenfalls regional begrenzt.Buecher und Bildung waren nach ihrer Meinung nur eine Sache fuer den Klerus.

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Gottesfriede


Die im 10.Jahrhundert begruendete Reformbewegung der Kirche, ausgehend von dem Benediktinerkloster Cluny, steckte den Rittern rechtlich Grenzen in ihrem Tun. Die Treuga Dei, der Gottesfriede, verbot den Rittern den Umgang mit der Waffe in jeder Woche zwischen Mittwoch abend bis Montag morgen, ausserdem an bestimmten Feiertagen des Kirchenjahres wie Fasten-, Ostern-, Advents- und Weihnachtszeit. Zudem war es verboten, gegen Moenche, Pilger und Frauen eine Waffe zu erheben und in Kirchen, Kapellen, an Wallfahrtsorten, in Gaststaetten, auf Maerkten, an Furten und auf Strassen zu kaempfen oder jemanden mit der Waffe zu bedrohen. Durch Androhungen von Strafen wie dem Gericht Gottes und ewigen Hoellenqualen und durch das Draengen der Bevoelkerung beugten sich die Ritter diesen Gesetzen.

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Christliche Ritter


Aber die Kirche ging darauf sogar noch weiter und rief die Ritter auf, die christliche Sache zu unterstuezen, wenn es noetig sei, auch mit dem Schwert. Dadurch nahm die Kirche eine neue Haltung an. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie jeglichen Gebrauch von Gewalt verdammt. Nun erlaubte sie aber fuer eine im Sinne des Christentums gerechte Sache in den Krieg zu ziehen.

Aber auch fuer den Ritter hattes sich etwas geaendert. Er konnte nun seine Pflichten als Vasall und Christ verbinden und galt zudem dann auch noch als Glaubenskaempfer, der kaempfte, aber dadurch Gutes tat. Das Ideal des christlichen Ritters war geboren, eine Verbindung aus dem Ideal der Vasallentreue und dem des Kampfes fuer den Glauben.

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Die Kreuzzugszeit


Den letzten entscheidenden Schritt in der Entwicklung des Rittertums war die Kreuzzugszeit. Der Aufruf Papst Urbans des zweitens am 27.November der Jahres1095, die heilige Stadt Jerusalem zu erobern und das ganze heilige Land
von den islamischen Herrschern zu befreien, gab dem verwilderten Rittertum Westeuropas ein kirchliches wie allgemein anerkanntes Ziel ihrer kriegerischen Begierde und erfuellte die Ritterschaft mit neuem Selbstvertrauen.

Der Aufruf des Papstes stellte das Rittertum aber auch in ein besseres Licht, so dass auch der Hochadel und selbst Koenige und Kaiser Seite an Seite mit rangniedrigeren Vasallen gegen die Unglaeubigen auszogen. Die gemeinsame Aufgabe als Ritter und Vasall Christi schuf sogar eine Art Bruederlichkeit und das Gefuehl des Zusammengehoerens unter den Rittern selbst und auch zum Hochadel, ungeachtet sozialer und gesellschaftlicher Stellung. Die Kreuzzuege schweissten die untereinander verfeindeten Ritter zusammen.

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Verfeinerter Lebensstil


Ein weiterer wichtiger Punkt aber war, dass die Kreuzritter durch die Begegnung mit der Kultur des Orients eine Verfeinerung ihres Lebenstils durchmachten. Die ungebildeten Ritter lernten die Bedeutung von Bildung zu schaetzen. Auf Koerperpflege wurde nun geachtet. Sie lernten, Wert auf gewuertzte und verfeinerte Speisen, auf geschmackvolle und bequeme Inneneinrichtung und auf edle und schoene Gewaender zu legen. Zudem erlernten sie die hohe Kunst des Gespraechs, der Konversation, die Liebe zur Philosophie und besonders die Kunst des Regierens, die Politik. Zuletzt darf man nicht den Umgang mit Liebe und den Frauen vergessen, den die Moslems sehr pflegten.

Nun war der Ritter also auch gebildet und besass Kultur. Die zurueckkehrenden Kreuzfahrer brachten diesen Lebenstil ins Abendland und beeinflussten damit unsere Kultur nachhaltig.

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Das ritterliche Tugendsystem


So entstand das ritterliche Tugendsystem, das ich hier nun einmal zusammenfasse:
Diesen hohen Anforderungen waren die trotz alledem menschlichen Ritter und Adeligen nicht gewachsen. Trotzdem hat der Traum vom Ritter als tapferer, frommer und kultureller Mensch die Leute im Mittelalter fasziniert und dazu angespornt, diese Lebensweise zu erstreben. Dies kann man vor allem in den beruehmten Heldenliedern von Roland, den Nibelungen und Dietrich von Bern,welche als Vorbilder der heranwachsenden Ritter dienten, sehen.

Diese Entwicklung wurde von der Kirche nur allzu gerne mit allen Kraeften unterstuetzt. Sie erklaerte, dass das Rittertum von Gott selbst erklaert und daher eine heilige Institution sei. Sie musste auch ihre Zweistaendelehre, in der es nur Geistliche und Laien gab, aendern und die neue Staendeordnung sah den Klerus zum Beten, den Adel zum Kaempfen und die Bauern zum Arbeiten vor. Waehrend der Kreuzzugszeit stand das westeuropaeische Rittertum in voller Bluete. Es war zu Macht, Ruhm und Ansehen gekommen.




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