Von der Kunst der Belagerungstechnik
Tribok in Ruhestellung
Abgezeichnet von Philipp Sitte, 8a, 1996
Kriegsmaschinen
Der Belagerungsturm
Die Muslime waren Meister im Bauen von Festungen und Burgen. Aber auch
die meisten morgenlaendischen Staedte waren befestigt. Weil die westeuropaeischen
Heere anfangs den Muslimen im offenen Feld ueberlegen waren, zogen sich
diese in ihre Festungen zutrueck. Deshalb waren die Kreuzfahrer oft gezwungen,
sich auf eine langwierige Belagerung einzulassen. Im Gegensatz zur offenen
Feldschlacht kannten die Westeuropaer bei einer Belagerung eine Vielzahl
von Taktiken und Strategien, um eine Festung oder Burg einzunehmen.
Als erstes musste eine Festung umzingelt werden, um gaenzlich von der Aussenwelt
abgeschnitten zu sein. Umliegende Doerfer und Ansiedlungen wurden niedergebrannt.
Meist versuchte man dann, mit Sturmleitern die Mauern zu ueberrennen. War
die Gegenwehr zu heftig, stellte man sich auf eine laengere Belagerung ein.
Es wurden Kriegsmaschinen gebaut, um Breschen in die Mauer zu schiessen
und um die Bewohner zu terrorisieren und zu entmutigen.
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Kriegsmaschinen

Gespanntes Katapult, abgezeichnet von Philipp Sitte, 8a, 1996
Zur Zeit der Kreuzzuege waren verschiedene Arten von Kriegsmaschinen im
Gebrauch:
- Die Praetaria schleuderte mit einem Schwenkarm, welcher durch ein
Gegengewicht oder durch den Zug an einem am Armende angebrachten Seil bewegt
wurdde, Steine, Kugeln oder mit Erde gefuellte Kisten mit einem Gewicht
bis zu 80 kg 500 bis 1000 m weit.
- Das Katapult nuetzte die Spannkraft von Seilen, um Geschosse zu schleudern.
Es war in seiner Effektivitaet nicht ganz so stark wie die Pretaria, aber
beweglicher.
Diese Kriegsmaschinen funktionieren nach dem Schleudergesetz und werden
daher Torsionsgeschuetze genannt. Sie sind die Artillerie des Mittelalters.
Sie waren sehr treffunsicher, daher konnte man sie nur gegen Gebaeude einsetzen
und nicht auf einem Schlachtfeld gegen Truppenverbaende. Zudem gab es Geschuetze,
die mehrere Wochen brauchten, um in Stellung gebracht zu werden.
Eine besondere Grausamkeit der abendlaendischen Heere war, dass die abgeschlagenen
Koepfe der Gefallenen wieder in die Stadt zurueckgeschossen wurden, um die
Verteidiger zu demoralisieren. Manchmal verschoss man auch Tierkadaver,
um Seuchen zu verursachen. Es wurden auch Brandgeschosse in die Festungen
geschleudert, um sie auszuraeuchern.
Daher legten die Verteidiger grossen Wert darauf, die gegnerische Artellerie
durch Ausbrueche oder eigene Katapulte zu vernichten.
Man konnte aber auch auf anderem Wege Breschen in die Mauern schlagen. Im
Schutz von fahrbaren Holzdaechern, sogenannten Katzen, unterminten die Belagerer
die Mauern, um sie entweder so zum Kollabieren zu bringen oder direkt durch
den Stollen in das Innere der Festung zu gelangen. Wenn der Verteidiger
dies bemerkte, legte er einen eigenen Tunnel an, der zum gegnerischen fuehrte,
und erschlug die Arbeiter.
Ein anderes Kriegsgeraet, um Mauer und vor allem Tore zu brechen, ist der
Rammbock oder auch Sturmbock. Er wurde entweder mit Muskelkraft gegen die
Mauer oder das Tor geschlagen oder an Stricken befestigt im Schutze einer
Katze gegen die Mauer geschwungen. Dagegen konnte der Verteidiger nur versuchen,
den Sturmbock mit Steinen zu zertruemmern, ihn in Brand zu stecken oder
die Mannschaft zu toeten.
Um den Verteidiger zu schwaechen und um einen Sturmangriff zu decken, feuerte
man hinter beweglichen grossen Holzschilden, sogenannten Pavesen, geschuetzt,
mit Boegen und Armbruesten auf die Krieger auf den Wehrgaengen.
Zu diesem Zwecke wurden auch Ballistas und Arcuballistas, eine Art Riesenarmbrust
verwendet, mit der man bis zu speergrosse Bolzen und kleinere Steinkugeln
verschoss. Die Arcuballista war eine Verbesserung der Ballista und konnte
mehrere Geschosse gleichzeitig oder ohne nachzuladen schnell hintereinander
verschiessen. Ballisten wurden von Verteidiger wie Angreifer gleichermassen
verwendet.
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Der Belagerungsturm
Trotz all dieser Kriegsgeraete musste eine Festung erstuermt werden, wenn
sie nicht kapitulierte. Dies geschah durch lange Sturmleitern, die von den
Verteidigern leicht mit Stangen weggestossen und umgekippt werden konnten.
Also war dies sehr riskant. Man konnte aber auch mit Hilfe eines sogenannten
Belagerungsturms, eines fahrbaren Holzturms, die Mauern erstuermen. Der
Belagerungsturm wurde meist noch mit nassen Faellen und Leder umspannt,
damit er nicht so gut in Brand zu stecken war. Er wurde von Soldaten an
die Festungsmauer ueber den mit Holz zugeschuetteten Burggraben gezogen.
Nun konnte man mit Hilfe von Fallbruecken und Holzleitern auf die Mauer
gelangen. Die Belagerungstuerme waren bei den Verteidigern gefuerchtet,
da es ein sehr schweres Unterfangen war, einen an die Mauer gezogenen Belagerungsturm
zu zerstoeren.
Konnte eine Festung trotz aller Bemuehungen nicht eingenommen werden, versuchte
man die Besatzung auszuhungern und diese so zur Kapitulation zu zwingen.
Es gab viele Festen, die nie erstuermt werden konnte, sondern nur ausgehungert
wurden.
Jeder Krieger vom Knecht ueber den Fussoldaten bis hin zum Ritter hasste
Belagerungen. Das Ausharren und die grossen Anstrengungen machten den meisten
Rittern sehr zu schaffen. Aber auch die Zivilbevoelkerung einer belagerten
Stadt hatte grosse Not und unendliches Elend zu ertragen. Es gab Bealgerungen,
die sich ueber Jahre hin erstreckten. So lange halten die wenigsten Besatzungen
aus. Sie verlieren den Mut und die Nerven und kapitulieren.
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