Die Kreuzzuege aus byzantinischer Sicht

Ein unterrichteter byzantinischer Augenzeuge des ersten Kreuzzugs und der Zeit danach schreibt nieder, was er erlebt hat.




Inhalt:

1. Die Bedrohung von Byzanz durch die Tuerken und der byzantinische Hilferuf an den Westen
2. Wie verhielten wir, die Byzantiner, uns waehrend des Ersten Kreuzzugs, und was waren unsere Ziele?
3. Wie verhielten wir, die Byzantiner, uns nach dem Ersten Kreuzzug?






1. Die Bedrohung von Byzanz durch die Tuerken und der byzantinische Hilferuf an den Westen

Eroberungen der Seldschuken


Wenige Jahre nach dem Tod Mohammeds (632 n.Ch.) eroberten Araber grosse Teile Vorderasiens. Im 11. Jahrhundert bedrohten tuerkische Volksstaemme den Orient. 1071 schlugen islamische Tuerken, die Seldschuken, ein byzantinisches Heer in der heutigen Tuerkei und eroberten Anatolien. Sie besetzten Jerusalem und Palaestina. Der Seldschukensultan Alp Arslan residierte in Nicea (heute Iznik), dieser Eindringling. Es war eine Schande.

Die Seldschuken hatten laengere Schwerter und Boegen aus speziellen Hoelzern, mit denen sie einen Pfeil bis zu 500 m weit schiessen konnten. Ausserdem besassen sie einen kleinen runden Schild, um die Schlaege der Gegner abzuwehren. Man weiss nicht, warum sie nach Kleinasien kamen, doch wahrscheinlich wegen einer Klimaveraenderung in ihrer alten Heimat.

Hilferuf des byzantinischen Kaisers


Mit den Seldschuken konnten wir, die Rhomaeer (Ostroemer, Byzantiner) nicht fertig werden. Als sogar die Hauptstadt unseres Reiches bedroht wurde, wendete sich unser Kaiser Alexios I. 1095 an Papst Urban II. und bat ihn um Hilfe gegen die "Unglaeubigen", die auch das Heilige Land verwuesteten. Er sollte ihm doch gegen die Horden von Seldschuken und gegen die Petschenegen helfen, die den Balkan unsicher machten.

Urban II. predigte daraufhin einen Kreuzzug: Er glaubte, die Zeit waere gekommen, um das Heilige Land zu befreien und die unselige Kirchenspaltung von 1059 in gemeinsamem Kampf rueckgaengig zu machen.

Kreuzzugspredigt auf der Synode von Clermont


Dies geschah auf der Synode von Clermont im Jahre des Herrn 1095: Im November des Jahres stroemten Hunderte von Bischoefen und hohen Geistlichen in Suedfrankreich zu einer grossen Kirchenversammlung. Der Andrang war so stark, dass kein Haus die Versammelten zu fassen vermochte. Darum musste der Papst Urban unter freiem Himmel sprechen. Wie mir berichtet wurde, hielt er folgende Rede:

"Wehe uns, dass wir stillsitzen und ruhig zuschauen den Missetaten und der Schmach der Stadt Gottes! Darum auf, waffnet euch! Ein jeglicher lege sein Schwert an, um unseren Bruedern zu helfen. Lasset uns ausziehen, und der Herr wird mit uns sein. Im Namen des barmherzigen Gottes und der Apostel Petrus und Paulus verkuendigen wir allen, so die Waffen gegen die Unglaeubigen ergreifen wollen, vollkommenen Erlass ihrer Suendenstrafen, und denen, die im Heiligen Streit fallen werden, verheissen wir den Lohn des ewigen Lebens. Nun sollen diejenigen, die ihr Fehderecht gegen die Glaeubigen missbraucht haben, zu einem Kampf ausziehen, der des Beginnes wert ist. Jetzt sollen diejenigen. die lange Raeuber waren, christliche Ritter werden. Jetzt sollen jene mit Recht gegen die Barbaren kaempfen, die einst gegen Bruder und Blutsverwandte auszogen!" (Was ist was? Band 60 Die Kreuzzuege)

"Gott will es!"


Tausende riefen. "Gott will es!" und liessen sich ein rotes Kreuz, das Zeichen der Kreuzfahrer, auf die rechte Schulter heften. Die Predigt von Clermont hatte Erfolg im ganzen Abendland. Lange waren die Kreuzzuege die "einende Idee". Die roemische Kirche versprach jedem, der gegen die Slawen in Osteuropa, die Araber in Spanien oder die Tuerken im Orient zog, Gnade und Ablass, wobei sie auch das Hab und Gut in der Heimat schuetzte. Kriegs- und Abenteuerlust, der Wunsch, eine Pilgerreise zu machen, und religioese Begeisterung kamen zusammen.

Ungeordnete Scharen - spaeter sprach man vom Armenkreuzzug - traten sogleich die Fahrt an und zogen pluendernd donauabwaerts, wo sie auch in unserem Gebiet Verwuestungen anrichteten.

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2. Wie verhielten wir, die Byzantiner, uns waehrend des Ersten Kreuzzugs, und was waren unsere Ziele?

So war die Hilfe nicht gedacht


Nach dem Hilferuf unseres Kaisers kamen die christlichen Kreuzfahrer in grosser Anzahl. Doch Alexios I. hatte sich die Hilfe etwas anders vorgestellt. Er wollte Soeldner anmieten, die er mit seinen Geldern bezahlen wollte und die ihm gehorchen sollten. Statt dessen kamen neben dem armseligen "Bauernheer" jetzt Heerscharen von westlichen Rittern, vor allem aus Frankreich und Sueditalien, mit ihren eigenen Fuersten an der Spitze. Es war zu erkennen, dass die Ziele des Kaisers - die Rueckeroberung der ehemals byzantinischen Gebiete in Anatolien und im Vorderen Orient - nicht die der Kreuzfahrer waren.

In ganz Konstantinopel herrschte Angst. Wuerden die Kreuzfahrer nun angreifen oder nicht? Man wusste von Pluenderungen in vielen Gebieten, weshalb der Kaiser die heruntergekommen Bauern moeglichst schnell ueber den Bosporus setzen liess, um sie loszuwerden. Staat war mit ihnen ohnehin nicht zu machen, und bei Nicea wurden sie von den Seldschuken bis auf einen kleinen Rest vernichtet.

Widerwilliger Lehenseid der Kreuzritter


Auch von den Rittern liess der Kaiser nur die Anfuehrer in seine Hauptstadt. Er verlangte den Vasalleneid, gegen den sich die Kreuzfahrer zuerst straeubten, den sie dann aber doch leisteten, weil sie uns brauchten. Alle Eroberungen, die die Kreuzfahrer von nun an machten, waren Lehen unseres Kaisers, dem sie den Treueid geleistet hatten und dem sie Gehorsam schuldeten. Die Kreuzfahrer jedoch dachten, sie wuerden von uns, den Byzantinern, im Kampf gegen die Seldschuken und bei der Eroberung der heiligen Staetten des Christentums unterstuetzt, sie dachten aber nicht im Traum daran, ihren Lehensverpflichtungen nachzukommen und unsere Oberhoheit anzuerkennen, wie sich spaeter herausstellte. So ist es nicht wunderlich, dass beide Seiten sich misstrauten.

Bruch der Lehenseide


Die Kreuzritter waren indessen in Begleitung einer byzantinischen Heeresabteilung durch Anatolien weitergezogen, nicht ohne zuvor dem Kaiser bei einer Zusammenkunft die schon zuvor geleisteten Eide erneuert zu haben. Nach Ueberschreiten des Taurus brach die Eintracht der Verbuendeten jedoch entzwei: Balduin von Boulogne und der NormanneTankred stritten sich um die Staedte Kilikiens, bis Balduin dann in Richtung auf den Euphrat vordrang, ohne freilich seine dortigen Eroberungen um die Stadt Edessa dem griechischen Kaiser zu uebergeben, was auch Tankred nicht beabsichtigte.

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3. Wie verhielten wir, die Byzantiner, uns nach dem Ersten Kreuzzug?

Im Ergebnis des Ersten Kreuzzuges gelang es uns aber, Teile Kleinasiens, v.a. einen Streifen an der Kueste, wiederzugewinnen.

Byzantinische Versuche, Lehenshoheit durchzusetzen


Byzanz versuchte nun, die Kreuzfahrerstaaten und die arabischen Staaten etwa gleich stark zu halten, denn wenn die Kreuzfahrerstaaten zu stark wuerden, dann wuerden sie sich selbststaendig machen. Doch wenn die arabischen Staaten zu stark wuerden, so wuerden sie die Kreuzfahrerstaaten ausloeschen. Natuerlich versuchten wir, unsere Lehenshoheit ueber die Kreuzfahrerstaaten durchzusetzen, was uns im Falle Antiochias schon 1137 gelang. 1159 kam das Koenigreich Jerusalem unter die Lehensherrschaft unseres Kaisers Manuel Komnenos.

Anatolien bleibt seldschukisch


In Anatolien waren wir nicht so erfolgreich. Die Seldschuken fassten naemlich wieder festen Fuss. Die griechische Bevoelkerung begann zunaechst, vor ihnen in die Staedte und an die Kuesten zurUeckzuweichen. Am 17.9.1176 erlitten wir eine schwere Niederlage gegen die Seldschuken bei Myriokephalon. Eine Wiedereroberung Zentralanatoliens erwies sich als unmoeglich.

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Bucher, Daniel
Dautner, Thomas
Link, Aaron
Proske, Sebastian

Klasse 8 b, Schuljahr 1995/96