3. Dritte Phase: Langer Marsch und antijapanische Einheitsfront
Nach dem Ausbruch aus dem Kessel von Jui-chin (ehemalige Hauptstadt der
Raetegebiete) versuchten die einzelnen Armee zuerst sich wieder zu vereinigen,
was wegen der feindlichen Truppen, die zwischen ihnen lagen, nicht moeglich
war. Ende 1934 bis Anfang 1935 macht die Armee in der Stadt Liping (7) Halt.
Durch die zunehmende Demoralisierung der Truppen gab es eine Opposition,
zu deren Fuehrer Mao Tse-tung wurde. Er rueckte dann spaeter wieder zum
Militaerfuehrer auf. Der weitere Marsch der Partei fuehrte zuerst durch
den aeussersten Suedwesten Chinas (Provinz Yuennan) und schwenkte dann in
Richtung Norden zum Yangtse Fluss, die Überquerung von diesem und anderen
Fluessen war jedoch schwer, da sie meist nur an wenigen Stellen mit Booten
passierbar waren und diese der Feind besetzt hielt. Durch kuehne Taeuschungmanoever
und Geschick gelang es der Roten Armee doch, die Fluesse zu ueberqueren,
den Yangtse selbst ueberquerten sie einen Tag, bevor Chiang Kai-sheks Armee
ankam. Ueber den Tatu kamen sie nur, da ein paar Freiwillige trotz anhaltendem
Feuer der Feinde die Bruecke ueberquerten und den Brueckenkopf besetzten.
Waere dies nicht gelungen, so haette dies das Ende der kommunistischen Bewegung
bedeutet. Von nun an marschierte die Armee in Richtung Nord-Shensi.
Nach dem Langen Marsch waren von der gesamten Roten Armee, die auf dem Hoehepunkt
der Kiangsizeit 300000 Mann gezaehlt hatte , nur noch 30000 uebrig. Die
erste Teilarmee hatte 10000 km zurueckgelegt, etwa die Strecke von Paris
nach Peking. Mut, Ausdauer, militaerisches Koennen, Glueck und revolutionaerer
Kampfgeist hatten die Armee und Partei vor der Vernichtung bewahrt. Die
gemeinsam bestandenen Haerten und Kaempfe des Langen Marsches hatten Korpsgeist
geweckt, der eine fest zusammenhaltende Elite der Bewegung schuf. Ausserdem
war er ein grosser "Werbefeldzug", da die Kommunisten die rund
200 Mio. Menschen in 11 Provinzen mit ihren Vorstellungen in Kontakt bringen
konnten.
Antijapanische Einheitsfront
Schon Anfang der 30iger Jahre hatten die Japaner angefangen, sich in China
erneut auzubreiten. Die GMD-Regierung hatte dabei nur zugesehen und sich
lieber gegen den kommunistischen Staat im Staat zur Wehr gesetzt. Die chinesiche
Oeffentlichkeit war aber zunehmend japanfeindlicher. Die Kommunisten hatten
sogar schon 1932 den Japanern offiziell den Krieg erklaert und versucht,
in der Mandschurei einen Widerstand zu organisieren. Die Komintern hatte
auf ihrem VII. Weltkongress(1935) schon zur Bildung von Allianzen mit den
buergerlichen Kraeften aufgerufen, da in Europa der Faschimus auf dem Vormarsch
war. Fuer die die KPCh bot sich auch an, die GMD durch ein Buendnis gegen
Japan zu spalten. Die mandschurischen Truppen unter General Chang Hsueeh-liang,
die 1934 gegen die Kommunisten kaempften, wollten lieber ihre Heimat befreien,
anstatt auf ihre Landsleute zu schiessen.
Im Dezember 1936 schliesslich erzwang der Zwischenfall von Sian den Durchbruch
zur Bildung der Einheitsfront. Chang Hsueeh-liang liess Chiang Kai-shek
gefangennehmen und konfrontierte ihn so mit einem Buendnis. Chiang Kai-shek,
der sich zunaechst weigerte, gab nach seiner Freilassung doch sein Wort,
eine Entwicklung in diesem Sinne einzuleiten.Die Rolle der Kommunisten,bei
diesem Vorfall ist unklar.
Im Laufe des Jahres 1937 kam es dann zur antijapanischen Einheitsfront zwischen
KPCh und der GMD. Die KPCh stellte folgende Forderungen: Einstellung des
Buergerkrieges, Aufnahme des Kampfes gegen Japan, Sicherung der Rechte des
Einzelnen, Einberufung einer All- Parteien Konferenz zur Regelung der staatlichen
Ordnung und eine Verbesserung der Lebensbedinungen fuer das Volk. Die GMD
hingegen forderte: die Einstellung des bewaffneten Kampfes gegen die Nationalregierung,
Umwandlung der Sowjetregierung in eine Sonderregion der Republik China und
Unterstellung der Roten Armee unter ein zentrales Kommando sowie die Aufgabe
der Enteignungen. Die Realisierung dieses Buendnisses liess aber Zweifel
bei vielen Kommunisten aufkommen, nicht zuletzt weil Chiang Kai-shek derjenige
gewesen war, der die Arbeiterbewegung 1927 brutal beseitigt hatte. Andererseits
hatte die Partei wieder die Moeglichkeit, legal zu arbeiten, und konnte,
da sie Truppen besass, sich im Notfall auch zur Wehr setzen. Die Konzeption
einer demokratischen Republik gab der KPCh die Moeglichkeit, an der Regierung
mitzuwirken, falls sie zustandekam.
Die Zeit der Raeterepubliken war damit also ganz abgeschlossen, die Partei
hielt nicht mehr an der Bauern- und Arbeiterdiktatur fest, sondern wollte
eine ganz normale Demokratie, welche auch wieder die Einparteiendiktatur
der GMD schwaechte. Durch das Buendnis wurden die Kommunisten aber auch
zu einer politischen Groesse, die eine ernsthafte Alternative zur GMD-Regierung
bildete. 1937 kam es an der Marco-Polo Bruecke zu Kaempfen zwischen Japanern
und Chinesen, die in Asien den II. Weltkrieg beginnen liessen.(8)