2. Phase der Bewegung: die Sowjetgebiete (1927-34)

Als Reaktion auf die Notlage der Bewegung, versuchten die Kommunisten das nun konterrevolutionaer gewordene Regime gewaltsam zu stuerzen. Die Partei plante, Bauernaufstaende durchzufuehren, welche zu Arbeiterausschreitungen in den Staedten fuehren sollten. Bereits vorhandene bewaffnete Arbeiter und Bauern sollten mit abtruennigen GMD-Einheiten zusammengeschlossen werden, um eine starke Truppe zu schaffen. Die Partei bildete ein siebenkoepfiges Politbuero, neuer Voritzender wurde Ch¥¸ Ch¥iu-pai, ein junger Journalist, der bereits in der UdSSR war und seit 1923 im ZK taetig gewesen war. Aufgrund seiner Erfahrungen mit der Bauernbewegung wurde der Sohn eines Grossbauern (4), Mao Tse-Tung, ebenfalls aufgenommen.Die wichtigste Aktion war der Versuch von pro-kommunistische GMD-Einheiten, Nanchang zu uebernehmen, ein Versuch, der jedoch nach wenigen Tagen von Regierungstruppen niedergeschlagen wurde. Die uebriggebliebenen Reste versuchten die Stadt Kanton einzunehmen. Die Bedeutung des Aufstandes von Nanchang liegt in der Entstehung einer Roten Armee. Mao Tse-Tung versuchte einen Bauernaufstand auf Changsha, der aber durch ein rasches Eingreifen der Regierungstruppen niedergeschlagen wurde. Mao zog sich darufhin in das schwer zugaegliche Bergland von Hunan und Kiangsi zurueck, wo er die erste Partisanenbasis aufbaute.Auch weitere Aufstaende schugen fehl, so dass nur Reste von kommunistischen Truppen in schwer zugaenglichen Gebieten uebrig blieben, welche sich zu einer einheitlichen Truppe zusammenschlossen, um sich gegen lokale Militaermachthaber und oertliche Buergerwehren der Grossgrundbesitzer verteidigen zu koennen. Die Armee unterschied sich von allen anderen dadurch, dass sie sich keine Soeldnertrupps leisten konnte und ihre Vergroesserung auf Freiwilligen beruhte. Deshalb musste sie den Landbewohnern glaubhaft machen, dass sie in ihrem Interesse handele, indem sie gegen das Bauernelend kaempfte, eine Bodenrevolution durchfuehrte und die politische Macht der Grundbesitzer brach. Die Armee schuf auch alle Vorrechte der Offiziere ab, und eine Rangordnung gab es nur, insofern sie fuer das Kommando notwendig war. Die Disziplin zielte auf ein gutes Verhaeltnis mit der Bevoelkerung, zur Einhaltung gab es die drei Regeln der Disziplin: (1)Gehorche dem Kommando,...(2)Nimm den Massen nicht eine Nadel, nicht einen Faden weg.(3) Liefere alles Beutegut ab.- (a)sprich hoeflich....(d)Bezahle fuer das, was Du beschaedigt hast...(g)Belaestige keine Frauen...(h) Misshandle keine Gefangenen. Die Sozialsierung des Bodens geschah auf folgende Weise: Zunaechst wurden saemtlicher Boden und saemtliches Geraet enteignet und unter Beruecksichtigung der Anzahl der Arbeitskraefte in einer Familie neu verteilt. Dies fuehrte zu Unzufriedenheiten bei den Mittelbauern, welche in der Regel nur ihre Hoefe tauschten, so dass sie spaeter von dieser Umverteilung ausgenommen wurden. Die grossen Gewinner waren die Kleinbauern und Tageloehner, welche zuvor am Rande des Elends gelebt hatten. Alle Pachvertraege und Darlehen wurden fuer nichtig erklaertund eine einheitliche Bodensteuer von 20% der Ernte erhoben. Die Bildung eines Sowjetsystems in den laendlichen Gebieten begann, Sowjets wurden auf unterster Ebene organisiert, also in Betrieben, Doerfern , Stadtvierteln oder Kompanien . Die Wahl fand in einer jeweiligen Versammlung statt, aktiv und passiv waehlen konnten alle Erwachsenen ueber 16 Jahre, bis auf ehemalige Grundbesitzer, ehemalige Beamten, etc. . Die oertlichen Sowjets waehlten dann die naechst hoeheren. 1930 wurden dann sogar provisorische Provinzsowjets gebildet. Insgesamt entstanden 5 groessere Sowjetregierungen: 1) die vom Chinag-kang-shan nach Osten in die Provinz Kiangsi reichende Basis 2) das Hunan- Hupei- Kiangsi-Gebiet suedlich von Wuhan und westlich von Nanchang 3) das Hupei-Honan-Anhwei-Gebiet nordoestlich von Wuhan 4) das Hung-See-Gebiet nahe der Grenze zu Szechuan 5) das Fukien-Chekiang-Kiangsi-Gebiet oestlich von Nanchang. Obwohl die Stuetzpunktgebiete ein grosser Erfolg der Partei waren, hielt die Partei dogmatisch an der Revolutionsstrategie fest, welche darauf beruhte, die Staedte zu erobern. Hieraus entwickelte sich ein zunehmender Gegensatz zu der von Mao entwickelten Strategie, die darauf zielte, erst die Sowjetgebiete zu erweitern und damit die Staedte zu umkreisen. 1930 versuchten die Kommunisten noch einmal einen Angriff auf die Staedte. Ohne Ruecksicht auf die Schwaeche der Roten Armee wurde im Juli 1930 ein Angiff auf Wuhan, Changsha und Nanchang gestartet. Der Angriff auf Changsha hatte Erfolg. Ein Stadtsowjet wurde eingesetzt, der sich soger 10 Tage halten konnte, bis er wieder von Truppen des Provinzgouverneurs vertrieben wurde. Auf Druck der Komintern wurde eine zentrale Sowjetregierung nach dem russischen Vorbild gebildet. Den Vorsitz uebernahm Mao Tse-tung selbst, der auch an der Spitze des Rates der Volkskommissare stand. Die buergerliche Regierung in Nanking begann nun mit dem Versuch, die Sowjetgebiete zu beseitigen. Die GMD- Truppen stiessen dabei oft tief in rotes Gebiet vor und wurden dann von den sehr mobilen Truppen der Roten Armee angegriffen und einzeln zerschlagen. Die ersten vier Feldzuege´verliefen fast ganz erfolglos fuer die GMD. Unter dem Einfluss der "heimgekehrten Studenten" aus Moskau trat an die Stelle der Partisanenverteidigung die Verteidigungsidee des Stellungskrieges. Mao verlor dadurch seine politische Stellung. 1933 begann der 5. Feldzug, der von langer Hand vorbereit wurde. Chiang Kai-shek bekam dafuer Hilfe von den abgemusterten (5) deutschen Generaelen Seeckt und Falkenhausen, die ihm auch Waffen von der Firma Krupp verschafften. Im Oktober 1934 schliesslich mussten die Kommunisten fliehen, und so begannen 120 000 Soldaten und Zivilisten den legendaeren langen Marsch. Ein zweites Mal war fast die gesamte Arbeit der Partei zunichte gemacht worden.