
Zwei Kirchen mit dazwischenliegender Kapelle, Exonarthex, früher mehrere Klosterbauten. Die ganze Bauanlage entstand zwischen 1120 und 1136 (Unterzeichnung des Typikons).
Südkirche
Bestand: Viersäulentypus (Säulen in osmanischer Zeit aus statischen Gründen durch Pfeiler ersetzt) mit zentraler Kuppel, größter Kreuzkuppelraum Konstantinopels, zweigeschossiger Narthex.
Die Christus geweihte Südkirche wurde erbaut durch Kaiserin Eirene, Gattin des Johannes II. Komnenos (1118-1143), kurz vor ihrem Tod im Jahre 1124. Sie kam kurz vor 1105 als Prinzessin Pyriska, ein wunderschönes Mädchen, "eine mit Blüten geschmückte Pflanze, die reiche Früchte versprach", nach Konstantinopel, um Johannes II. Komnenos zu heiraten. Sie bereicherte seine Regierungszeit durch ihren einfachen Geschmack und ihre Loyalität zu den Armen. Kurz vor ihrem Tod zog sie sich unter dem Namen Xené ins Kloster zurück. Sie ließ die Südkirche wahrscheinlich kurz nach dem Amtsantritt ihres Mannes erbauen, doch unternahm sie mehr als sie durchführen konnte. So mußte sie den Kaiser um Hilfe bitten. Eines Tages, als sie ihm den Bau zeigte, fiel sie plötzlich ihm zu Füßen und bat ihn unter Tränen ihr vorhaben fortzusetzen. Gerührt von der Schönheit des Gebäudes und der Hingabe seiner Frau versprach Johannes Komnenos, das Kloster zu einem der Schönsten der Stadt zu machen, zu einem, das vollkommen dem Pantokrator, dem es geweiht war, würdig wäre.
Von der Originalausstattung sind der Marmorboden (opus sectile-Boden aus Porphyr, Verde antico und weißem Marmor mit Darstellungen der Tierkreiszeichen, der Jahreszeiten und der Taten Samsons), die Türrahmen im Narthex, die Marmorverkleidung der Apsis und byzantinische Teile, die in der Kanzel verbaut wurden wie auch die Überdachung der Kanzel erhalten geblieben.
Der Naos war von zwei seitlichen Emporen flankiert, von denen die südliche noch erhalten, aber nicht mehr zugänglich ist, während die nördliche abgerissen worden sein muß, als das Mausoleum gebaut wurde. Der Narthex bestand aus fünf gewölbten Jochen und trug eine Empore; die Kuppel über dem Mitteljoch stellt eine spätere Abänderung dar, die die Beleuchtung verbessern sollte, nachdem der Exonarthex hinzugekommen war.
Die großen Ausmaße der Kirche (Schiff: 16 m², Kuppel: 7 m) waren deshalb möglich, weil man vier sehr große Säulen (7 Fuß) aus rotem Marmor zur Verfügung hatte, die allerdings in durch Steinpfeiler in türkischem Barock ersetzt hat. Wahrscheinlich waren diese Marmorsäulen Spolien.
Bei Renovierungsarbeiten wurden bunte Glasscherben am Fenster gefunden, was bedeutet, daß farbige Glasfenster nicht nur, wie es vorher angenommen wurde, im Westen verwendet wurden.
Die Nischen in Ostwand sind Arkosolgräber. Ein Arkosolgrab in der Nordwand des Narthex wurde zum Durchgang erweitert.
Die Nordkirche der Elëousa
Sie wurde wenig später (vor 1136) von Eirenes Gatten erbaut. Sie ist der Elëousa (Beiname Mariä: Gnadenreiche, Barmherzige) geweiht. Die Kirche ist etwas kleiner, entspricht aber in der Anlage exakt der Südkirche. Auch hier wurden die byzantinischen Porphyr-Säulen durch türkische Pfeiler ersetzt. Von der ursprünglichen Ausstattung ist hier allerdings nichts erhalten.
Die Kapelle des Hlg. Michael
Nach der Fertigstellung der Nordkirche ließ der Kaiser (vor 1136) beide Kirchen durch eine Kapelle verbinden, die dem Heiligen Michael geweiht war. Sie hat nur eine Apsis und keine Seitenschiffe, sie ist in zwei Joche unterteilt und wird von zwei ellipsenförmigen Kuppeln überragt. Die Wände sind nicht rechtwinklig zueinander, da die Kapelle den Zwischenraum der beiden Kirchen nahtlos überbrücken sollte, und diese nicht genau aufeinander abgestimmt waren. Das Mausoleum besitzt wie die Südkirche einen Opus-sectile-Boden. Die Kapelle diente als Grabkapelle der Komnenendynastie, von der die bedeutendsten Vertreter hier begraben liegen (Johannes II. und Manuel I.). Im 14. und 15. Jh. diente sie den Paläologen als Grabkapelle.
Nach der Kapelle wurde (durch Johannes) noch ein Exonarthex
angefügt, der alle drei Kirchen außen verbindet.
Die Klosterbauten
Von den umgebenden Klosterbauten ist nichts mehr außer Fundamenten in der näheren Umgebung erhalten. Es muß ein sehr reiches Kloster gewesen sein, denn es soll 700 Mönche, eine unwahrscheinlich hohe Zahl, beherbergt haben. Früher gehörte zum Kloster u. a. ein Hospiz für alte Männer, eine Armenküche, ein Asyl für Geisteskranke, ein berühmtes Hospital mit 50 Betten. Dazu gehörte auch ein Bad, welches bis zu sechs Männern Platz bot. Es war Pflicht für die Mönche, zweimal im Monat dort zu Baden, außer während der Fastenzeit, während der es nur im Krankheitsfalle verwendet werden durfte. Verglichen mit anderen Klöstern ist dies sehr häufig. Der Normalfall war, daß es Mönchen nur dreimal im Jahr erlaubt war zu baden.
Die Mönche des Klosters hatten eine interessante Art einen neuen Abt zu wählen: Der Abt, der im Amt war, schrieb drei Namen von Nachfolgern auf, die er für fähig hielt. Diese Papiere versiegelte er in einer Box in der Sakristei. War der Abt gestorben, wurde der Kasten geöffnet und über den Nachfolger abgestimmt. Wurde einer der drei einstimmig gewählt, konnte er unverzüglich sein Amt antreten. Herrschte jedoch Unstimmigkeit plazierte ein Mönch der weder lesen noch schreiben konnte die drei Namen auf dem Altar. Dort blieben sie für drei Tage. Nach einem stillen Gottesdienst zog dann ein weiterer Analphabet des Klosters den Namen des Nachfolgers.
Während des Lateinischen Kaiserreiches wurden römisch-katholische Zeremonien in der Kirche abgehalten und viele Kultgegenstände wurden nach San Marco in Venedig gebracht, da die Kirche zu dieser Zeit als Sitz des venezianischen Klerus diente. Der letzte Herrscher des Lateinischen Kaiserreiches, Balduin II., machte das Pantokratorkloster zu seinem Sitz, denn er hatte nicht genug Geld, um den großen Palast zu erhalten, obwohl er das Blei des Daches schon verkauft hatte, die Stämme der äußeren Häuser schon als Brennholz verwendet hatte und seinen Sohn und Nachfolger bei den Capelli in Venedig als Sicherheit für einen Kredit zurückgelassen hatte.
Die Geschichte des Klosters nach der Rückeroberung verlief weniger glücklich. die Genuesen die Feinde der Venezianer, wollten aus Rache für die Zerstörung einer Kirche in Acre ein Gebäude, das in Verbindung mit Venedig stand zerstören. Da verfielen sie auf das Pantokrator-Kloster. Sie machten es dem Erdboden gleich, gleichzeitig ließen sie die verbleibenden Trümmer nach Genua schiffen, um damit dort die Kirche des Heiligen Georg zu erbauen.
|
|
|
|
|
|
|