
Keller Moschee; Paradigma der Viersäulen-Kreuzkuppelkirche (zweitälteste in Konstantinopel); erste private Grabeskirche eines byz. Kaisers; Anbau an Rotunde; die Theotokos-Kirche des Lips-Klosters und das Myrelaion sind die einzigen erhaltenen Kirchen der Zeit zwischen 600 und 1000 in Konstantinopel.
Die Myrelaion Kirche war Teil der Residenz des Großadmirals Romanos I. Lakapenos, der von Geburt Armenier war und 919 zum Kaiser gekrönt wurde. Kurz danach verwandelte er seinen Palast in ein Nonnenkloster (bekannt unter dem Namen Myrelaion, was Myrrhenöl bedeutet), und 922 wurde seine Gemahlin Theodora dort begraben. Man darf deshalb annehmen, daß die Kirche um 920 gebaut wurde. Heute steht nur noch die äußere Schale, die man vor wenigen Jahren durch eine geschmacklose Restaurierung noch weiter entstellte. Das Gebäude erhebt sich über einem hohen Unterbau, der im Grundriß der darüberliegenden Kirche ähnelt und dessen Zweck es war, die Kirche auf die Höhe der danebenliegenden Residenz des Lakapenos zu bringen.
Die Kirche selbst ist klein, aber sehr sorgfältig aus Ziegeln ohne jegliche Steinlagen gebaut. Diese Bauweise steht im Gegensatz zur Subkonstruktion aus Quadersteinen, ein Hinweis auf die Funktionsbetonung beim Unterbau; er wurde in Makedonischer Zeit nicht religiös genutzt. Die vier Säulen im Inneren der Kirche wurden - wahrscheinlich in der Türkenzeit - durch vier Pfeiler ersetzt, und die drei großen Fenster in der Apsis hat man zugemauert. Die aus acht konkaven Segmenten bestehende Melonenkuppel jedoch ist original. Zur Innenausstattung gehörten Mosaiken, Marmorverkleidungen und keramische Friese. Das Auffallendste an der Kirche ist heute ihr Äußeres: Die Seitenwände des Narthex sind leicht nach außen gewölbt, während sechs runde Pilaster an beiden Längsseiten die Gliederung des Hauptinnenraums anzeigen - wie ja byzantinische Fassadengliederungen oft die Innenkonstruktion anzeigen. Innen entspricht jedem Pilaster ein Vorsprung in der Wand. Diese Pilaster sind aus eigens dafür hergestellten abgerundeten Ziegeln errichtet, ein kompliziertes Verfahren, welches vermuten läßt, daß die Idee auf ein Vorbild aus Stein zurückgeht. Diese Art der Pilaster hat keine Vorgänger in der byzantinischen Architektur. Was die Plastizität angeht, so stellt Bodrum Camii gegenüber Fenari Isa Camii einen Fortschritt dar, denn die Fassade ist auf hervorragende Weise in verschiedene Ebenen geteilt.
Bei der lateinischen Eroberung wurde die Kirche wahrscheinlich am 18. August 1203 durch ein Feuer, das Kreuzfahrer (Flamen, Pisaner und Venezianer) legten, um ihren Rückzug zu sichern, und das acht Tage lang brannte, stark zerstört. Um 1300 wurde die Kirche renoviert, die Subkonstruktion wurde dabei als Mausoleum ausgebaut, wobei sie mit Fresko ausgemalt wurde.
Diese Tatsachen lassen sich aus den Bodenschichten der Subkonstruktion ableiten. Da diese nicht religiös verwendet wurde, lagerten sich in ihr Abfälle und Schutt ab. Über einer Schlammlage und einer sehr dünnen Lage aus persischer Minai Keramik (um1200) fand man eine Aschenlage, die auf den oben erwähnten Brand hinweist. Darüber lag eine Lage aus architektonischen Fragmenten (Marmor von Opus sectile Böden, Reliefteile usw.), die um das Jahr 1300 zu datieren ist und auf Umbauten in dieser Zeit weist, bei denen nicht wiederzuverwendende Teile in die Subkonstruktion geschmissen wurden. Über diese Lagen wurde dann für die Verwendung als Mausoleum ein Fußboden aus Ziegeln eingezogen, in den Gräber eingelassen wurden. Aber wiederum lagerten sich nach der Eroberung 1543 neue Schuttlagen ab bis die Subkonstruktion zur Hälfte gefüllt war. Denn auch nach der Umwandlung in eine Moschee im 15. Jh. durch Mesih Ali Pasa fand man für die Unterkonstruktion keine Verwendung außer als Müllhalde.
Die Rotunde
ist 41.8 m breit und damit die zweitgrößte Rotunde aus römischer Zeit (ca. 5. Jh.) nach dem Pantheon in Rom. Die Wände sind über 6 m dick. Daß die Rotunde in keinen Quellen erwähnt wird, was bei ihrer Größe und Lage äußerst verwunderlich ist, erschwert die Identifikation. Es ist heute daher nicht bekannt welches Gebäude es war, oder ob sie jemals vollendet wurde. Im Nordosten, außerhalb der Rotunde wurde ein fehlender Fuß der Tetrarchengruppe in Venedig gefunden, die 1204 aus Konstantinopel (aus dem "Philadelphion", heute unbekannt) entwendet wurde. Im 10. Jh., als Romanos seinen Palast baute, war die Rotunde bereits eine Ruine. Er ließ die Türen zumauern und das Innere mit wasserdichtem Mörtel abdichten. In der Rotunde wurde dann ein Gewölbesystem errichtet, das den Palast trug. Aus dem Aufbau der Gewölbe geht der Grundriß des Palastes hervor. Die Rotunde selbst wurde als Zisterne genutzt.
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