KILISE CAMII,
MOLLA GÜRÂMÎ CAMII,
THEODOROS-KIRCHE
Die Datierung der Kirche in das 11. Jh. kann, da jegliche Quellen fehlen,
nur aufgrund von Stilvergleichen erfolgen. Sie war wahrscheinlich dem heiligen
Theodor geweiht. Da es in der byzantinischen Kirche viele Theodorous gibt
ist nicht gesichert welchem die Kirche geweiht war. Wahrscheinlich war es
entweder der heilige Theodor von Tira, ein junger römischer Soldat,
der zu Tode gefoltert wurde, weil er nicht an der Verfolgung der Christen
unter Maximian teilnehmen wollte, oder Theodor dem General der Armee von
Licinius, der zum Märtyrer ernannt wurde, weil er sich weigerte, die
falschen Götter zu verehren und statt dessen ihre Bilder in Stücke
brach. Er war der Heilige der großen Kirche in Venedig, bevor diese
dem Evangelisten Markus geweiht wurde. Seine Reliquien wurden 1260 nach
Venedig transportiert und seine Figur steht immer noch auf der Piazetta
von San Marko mit dem Attribut eines Drachens oder Krokodils, einem Symbol
für die falschen Götzenbilder, die er zerstörte.
Die Kirche ist ähnlich aufgebaut wie die des Pantepoptes Klosters.
An den quadratischen Grundriß des Hauptraumes, der durch vier Säulen
durchbrochen wird, schließt sich ein extra Joch zwischen Apsis und
Seitenarm an, wonach die Kirche zum 'komplexen Typus' der Kreuzkuppelkirche
zählt. Die Pastophorien sind kleeblattförmig, wie das auch bei
der Eski Imaret Camii der Fall ist. Aufgrund dieser Ähnlichkeiten wird
die Kirche in das 11. Jh. datiert.
Im 15. Jh. wurde die Kirche in eine Moschee umgewandelt, dabei erhielt sie
"das mit hübscher Riffelung versehene Ziegelminarett", in
dem Spolien mit frühchristlichen Motiven (Basrelief eines Pfaues) verarbeitet
wurden. Daß es einst eine Kirche war zeigt heute noch der Name "Kilise
Camii", was wörtlich 'Kirchenmoschee' bedeutet.
Obwohl Quellen, die Aufschluß über die Geschichte der Kirche
geben könnten, fehlen, ist es offenbar, daß hier ein ähnlicher
Fall vorliegt wie in der Chora Kirche: ein reicher Schutzherr übernahm
die Kirche und vergrößerte sie durch Anbauten, zu denen auch
ein Glockenturm gehörte.
"Für die Datierung der palaiologischen Ummantelung des komnenischen
Bauwerks ist der Hinweis auf den Plan der Hagia Sophia in Mistra wichtig,
der eine spiegelbildliche Analogie zur Kilise Camii zeigt (HALLENSLEBEN)
und in die erste Hälfte des 14. Jh. datiert."
Trotz der Verwendung von unterschiedlichen Baumaterialien im Exonarthex,
gelang dem Baumeister eine schön gegliederte Fassade. Die Gliederung
wird durch die zwei Tripelfenster links und recht vom Eingang bestimmt.
Diese Teile werden jeweils von flachen Nischen eingefaßt, ähnlich
denen von San Marko in Venedig. Die nördlichen Säulen sind
vom "Melonen-Typus", während die südlichen korinthisch
sind. Diese Unterschiede lassen sich durch die Tatsache erkläre, daß
es sich hier um Spolien handelt, d.h. um wiederverwendete Teile älterer
Gebäude. Zwischen den Säulen sind gemusterte Marmortafeln, wieder
ähnlich denen von San Marko. Der obere Teil der Fassade folgt
in der Gliederung nicht dem unteren sondern der inneren Gebäudestruktur.
Jedes der fünf Joche im Inneren spiegelt sich hier durch ein gewölbtes
Fenster wieder. Auch die Mauertechniken weisen Unterschiede auf: Während
im unteren Teil auf eine Steinlage zwei Ziegellagen folgen, sind es im oberen
Teil drei Ziegellagen auf eine Steinlage.
Trotz dieser Unterschiede wirkt die Außenfassade in ihrer Gesamtheit
zufriedenstellend. Sie ist ein gelungener Versuch die schlichten und schweren
Fassaden der frühen byzantinischen Kirchen durch mehr Grazie und Würde
aufzuheben und aufzulockern. "Alles zusammengenommen", sagt Fergusson,
"ist es vielleicht die vollkommenste und eleganteste Kirche ihrer Klasse,
die jetzt in oder nahe der Hauptstadt bekannt ist, und viele ihrer Details
sind von großer Schönheit und Perfektion."
Die "Arkadenfassade", für die Kilise Camii ein schönes
Beispiel bietet, scheint in der spätbyzantinischen Architektur eine
bedeutende Rolle gespielt zu haben. Ein weiteres Beispiel im Wohnungsbau
stellt Tekfur Sarayi dar.
Die palaiologischen Mosaiken in den beiden Narthexkuppeln (um 1300) erreichen
nicht ganz die Qualität der Fethiye Mosaiken. Es gibt noch keine Veröffentlichungen
über die erhaltenen Mosaiken. Zwar wurden sie 1937 einmal freigelegt,
doch sind sie heute wieder übertüncht.
Die südliche Kuppel enthält ein Mosaik Mariens mit dem Christuskind
über acht Figuren (Könige und Propheten). Die Mittelkuppel enthält
eine Pantokratordarstellung. Die einstmals reiche Ausstattung des Narthex
mit Mosaiken verlieh ihm im Innenraum die gleiche monumentale, repräsentative
Wirkung wie die Außenfassade.
Die Mosaiken gehören zum "ersten Palaiologischen Stil" (O.
Demus), Körper und Kleid werden getrennt behandelt, reicher Fluß
der Gewänder spiegelt ihr Gewicht und Material wieder.
Bytantinische Kirchen in Konstantinopel wurde geschrieben von: Rain K., der sich über Kommentare dazu sehr freuen würde.