Frühbyzantinische Kunst
(Erstes Goldenes Zeitalter, 527-565)

 

 




Mit Justinian I. (527-565) endet Spätantike und beginnt das Mittelalter (Frühbyzanz, erstes Goldenes Zeitalter); zwar war der neue Stil zu Beginn Justinians Amtsantritt schon im entstehen, doch erst seine Kunstförderung brachte ihn vollends zutage.

Die Politik zur Zeit der frühbyzantinischen Kunst

527-565 Justinian
(Peter Sabbatius, Titel: Imperator Christianus) und Theodora, J. stammte aus einfachen Verhältnissen, sein Onkel, Justin I., war makedonischer Bauer und Analphabet.
Verfolgung von Nichtchristen und Monophysiten, Versuch der kirchlichen Einheit zwischen Ost und West.
Reformen in der Administration des Reiches, Aufhebung der diokletianisch-konstantinischen Trennung von Zivil- und Militärgewalt
Codex Justinianus, Digesten und Novellen lösen den Codex Theodosianus ab.
Prokop über Theodora:
"Einige Zeit verbrachte sie in einem Bordell und gab sich diesem unnatürlichen Körperhandel hin. Aber als sie alt genug war, ging sie auf die Bühne zu den Frauen ... Oft ging sie mit zehn oder mehr jungen Männern, die alle auf dem Höhepunkt ihrer körperlichen Kräfte waren und deren einziger Lebensinhalt die Hurerei war, auf Feste und lag dort die ganze Nacht mit ihnen herum. Wenn sie dann völlig erschöpft waren, ging sie zu deren Knechten, um mit jedem einzelnen zu kopulieren. Oder sie warf vor allen Leuten im Theater ihre Kleider weg und stand nackt in ihrer Mitte, mit nur einem Gürtel um ihre Geschlechtsteile. Doch nicht, weil sie sich schämte, sondern weil es dort verboten war, völlig nackt aufzutreten. So legte sie sich dann mit dem Gesicht nach oben auf den Boden. Anschließend streuten Diener Gerstenkörner über ihre Geschlechtsteile und für diesen Zweck trainierte Gänse pickten sie dann eines nach dem anderen mit ihren Schnäbeln ab. Theodora, die dabei keinerlei Scham empfand, machte eher den Eindruck, auf diese Vorführungen stolz zu sein."
529 Justinian ließ Akademie in Athen schließen.
532 "ewiger Friede" mit Persern
532 Nach Nika-Aufstand: Caesaropapismus
535-554 Feldzüge von Belisar und Narses
539 Eroberung Ravennas durch Belisar
565-578 Justin II.
6. Jh. Slawische Landnahme
610-641 Herakleios
(Titel: Basileios); nach Staatsbankrott (Bauten und Feldzüge Justinians): Einteilung des Reiches in Themen (Militärbezirke) mit einem Strategen (oberste militärische und zivile Macht), Themen dienten als Siedlungsgebiet der Soldaten, Soldatengüter wie Heeresdienst erblich
Unabhängigkeit von Söldnern, Erleichterung der Staatskasse.
627 Herakleios schlug die Perser
630 Stellte das von den Persern deportierte heilige Kreuz in Jerusalem wieder auf (vgl. Kreuzzug)

Die Architektur

Bautypen sind:

Es ist schwer, "die frühbyzantinischen Kirchen nach ihrer Funktion typologisch zu klassifizieren. Während der basilikale Grundriß der gebräuchlichste blieb[*], standen doch auch eine Anzahl von Zentralbauformen zur Verfügung: achteckige, kreuzförmige, dreiblatt- und vierblattförmige. Der Architekt hatte mehrere Möglichkeiten, und in den meisten Fällen können wir nicht feststellen, warum er eine den anderen vorzog ... Unsere Schlußfolgerung sollte wohl sein, daß wir keine komplizierten Theorien erfinden sollten, die darauf abzielen, die Unterschiedlichkeit der frühbyzantinischen Architektur in ein vorgefertigtes Schema einzupassen."

* Eine für Palästina aufgestellte Statistik verzeichnet 56 Kirchen und Kapellen des 6. Jh. und weitere 14 des 5. oder 6. Jhs., und von diesen 70 ist nicht eine einzige ein Zentralbau.

Die Malerei

 Wiederbelebung des antiken Illusionismus' und spirituell abstrahierende Prinzipien des Christentums vereinen sich.

 Synthese aus Antike, christlicher Spätantike und Orient

"Entwürfe für Mosaikschmuck bezog man nicht mehr ohne Rücksicht auf die Anordnung an den Wänden einfach aus Musterbüchern. Die Mosaiken sollten vielmehr so konzipiert sein, daß sie an dem ihnen bestimmten Platz gut zu Wirkung kamen.

Die Architektur der Hagia Sophia ist in erster Linie eine Architektur des Innenraumes. Den Byzantinern scheint die Außenansicht ihrer Bauten nebensächlich gewesen zu sein.

Die Innenausstattung verdankte ihre Wirkung zum großen Teil einer äußerst raffinierten Lichtführung. Die Byzantiner waren sehr interessiert an Geodäsie, dem Vermessen von Fläche und Raum, und an Optik, Katoptika, dem Verhältnis der Gegenstände zum Auge. Geodäsie und Optik bestimmen die Dekoration gewölbter Flächen entscheidend mit. Dies schloß Lichtwirkungen ein.

Viele Gottesdienste fanden nach Einbruch der Dunkelheit statt, und der Himmel von Konstantinopel ist häufig bedeckt. Die Raumaustattung mußte daher auf Lampen und Kerzen abgestimmt sein. Byzantinische Mosaiken sind deswegen am eindrucksvollsten, wenn man sie bei flackerndem Lichtschein sieht.

Plotin hatte Schönheit definiert als Symmetrie, ausgestrahlt von Leben. Die Byzantiner vertraten die gleiche Ansicht. Das Spiel von Licht und Schatten sollte jedes Mosaik, ja sogar jedes Flachrelief, mit Bewegung erfüllen. Außerdem erwartete man, daß der Beschauer seinen Blick frei schweifen ließ ... bis er den Gesamteindruck erfassen konnte. Ein bevorzugtes Thema byzantinischer Philosophie war die aus der Mannigfaltigkeit entspringende Einheit.

Ein Byzantiner des sechsten Jahrhunderts wäre sehr verwundert gewesen, wenn man die Sakralkunst seiner Zeit als steif oder hieratisch bezeichnet hätte. Für ihn war der Künstler - wie schon für seine Ahnen - der zoographos, das heißt er stellte lebendige Dinge dar, und seine handwerklichen Fähigkeiten (techne) waren nötig, um die besondere Natur (physis) des Vorbildes wiederzugeben. Portraits sollten echte, lebendige Portraits sein. Die Proprtionsverhältnisse in einem Bildfeld wurden allerdings verschoben, um das Ansehen einer Person hervorzuheben.

Wenn die Mosaikfelder eine gewisse Härte zeigen, liegt das weitgehend an technischen Schwierigkeiten. Die Mosaizisten hatten noch nicht so recht erkannt, daß sie mit Steinchen unterschiedlicher Größe eine lebendigere Wirkung erzielen konnten.

Die byzantinische Kultur war zu tief in ihrem griechisch-römischen Erbe verwurzelt, als daß sich auf künstlerischem Gebiet ein Umsturz vollzogen hätte, und die Profankunst konnte ungebrochen an die Vergangenheit anknüpfen. Das gilt auch für die Baukunst. Das Neue, das einigende Element im Zeitalter Justinians - das erst die Bezeichnung "byzantinische Kunst" rechtfertigt - besteht darin, daß die Kunst nun zur Kunst des christlichen Imperiums geworden ist, getragen von einem hochgebildeten und selbstbewußten Hof, der die Bedürfnisse des Reiches und der Kirche in einer der Würde Gottes und seines irdischen Statthalters angemessenen Weise zum Ausdruck bringen wollte. Der Geschmack änderte sich merklich. Vielleicht führten orientalische Einflüsse zu einem ausgeprägteren und differenzierterem Gefühl für Licht und Farbe als in der Vergangenheit. Trotz der Lehren zahlreicher Kirchenväter setzte sich die neuplatonische Schönheitstheorie allgemein durch und verdrängte die alte aristotelische Auffassung."

Parallele Stilrichtungen

Kunst der Völkerwanderungszeit (375 - 8. Jh.)


 

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Bytantinische Kirchen in Konstantinopel wurde geschrieben von: Rain K., der sich über Kommentare dazu sehr freuen würde.