|
|
|
Dario Fo
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
1
Verhaftung, 47 Prozesse, Dutzende Festnahmen; 47 Komödien, Hunderte Artikel, 65 Lieder, 82 Regiearbeiten in Theater, Film und Fernsehen und
schlussendlich 1997 der Nobelpreis. Das ist die Lebensbilanz des
italienischen Schriftstellers und Regisseurs Dario Fo. |
"Die
Macht, und zwar jede Macht, fürchtet nichts mehr als das Lachen, das Lächeln
und den Spott. Sie sind Anzeichen für kritischen Sinn, Phantasie, Intelligenz
und das Gegenteil von Fanatismus“ (Dario Fo).
„Die
Mischung von Lachen und Ernst ist sein Mittel, um Übergriffe und
Ungerechtigkeiten der Gesellschaft deutlich zu machen, aber auch um diese in
eine größere Perspektive zu rücken."
Quelle: homepage des Margarete-Steiff-Gymnasiums Mengen: http://home.t-online.de/home/an.pflueger/kritik00.htm
Die BesetzungTheaterspieler
|
||
|
Julia Dinkelacker |
Jgst. 12 |
Enea |
|
Maximilian Lotz |
11b |
Geschäftsmann |
|
Sabrina Reichel |
11b |
Totengräber 1, Irrer 1, Richterin |
|
Michael Meyer |
ABI 2002 |
Totengräber 2, Irrer 2, Minister |
|
Sarah Wolzen |
8c |
Totengräber 3, Irrer 3 |
|
Jasmin Bisanz |
Jgst. 13 |
Totengräber 4, Irrer 4, Staatssekretärin |
| Thorsten Klein | 10b | Direktor, Pförtner |
|
Andrea Rütschle |
Jgst. 12 |
Priorin, Frau Geschäftsmann, Prostituierte 1 |
|
Vanessa Grünhagen
|
10c |
Strichmädchen, Schwester 1 |
|
Angelika Schwörer |
10b |
Schwester 2, Prostituierte 2 |
|
Sonja Wolff |
10b |
Polizist 2, Diebin |
|
Nathalie Schocker |
10d |
Polizist 1 |
|
Kerstin Weinert |
10d |
Kommissarin, Frau Pförtner |
| Christian Morlock |
Jgst. 13 | Professor |
Jonas Langenbacher |
11b | Rapper |
Technik |
||
| Johannes König | 10b | |
| Johannes Pfleghar |
Jgst. 12 |
|
Maske |
||
| Dörte Leinweber | Jgst. 12 | |
| Lena Morlock | St. Elisabeth | |
Bühnenbild, Programmheft |
||
| Karin Bauer | ||
Plakatgestaltung |
||
| Maximilian Lotz | 11b | |
Regie
|
||
|
Christian
Morlock |
Jgst.
13 |
|
|
Achim
Vogel |
|
|
Dank an:Frau Corrinth, Herrn Westphal, Herrn Dr. Dollak, Herrn
Hafner, |
||
Vorbericht im Südkurier von Anfang Juli 2003
Von Kummer, Suff und Totengräbern
Makabre Gesellschaftskritik und reine Spielfreude: Theater-AG des GZG probt
Dario Fos "Siebentens: Stiehl ein bisschen weniger"
Nach und nach füllt sich der Probenraum im Keller der alten Musikschule.
Es ist heiß. Zunächst geht es um Requisiten. "Handschellen hätte ich zu
Hause", sagt die "Polizistin" unter allgemeinem Gelächter.
"Als Strichmädchen brauche ich noch eine Tasche mit einer goldenen
Kette", tönt es aus der anderen Ecke. Dass für die Rolle des Direktors
eine Jeanshose nicht unbedingt angemessen wäre, wird spontan von allen
bestätigt. Leichte Rückenmassage fürs richtige Körpergefühl, dann geht's
für Achim Vogel und sein Team aus der Theater-AG des Graf-Zeppelin-Gymnasiums
voll zur Sache. Die Zeit bis zur Premiere am Seehasenfest wird knapp. Mit Dario
Fos "Siebentens: Stiehl ein bisschen weniger" gilt es ein
anspruchsvolles Stück aufzuführen, das jugendlichen Schauspielern alles
abverlangt.
Zur Handlung: Enea, gespielt von Julia Dinkelacker aus der Jahrgangsstufe
zwölf, hat´s ganz schön erwischt. Als einzige weibliche Totengräberin wird
sie von ihren Kollegen ständig veräppelt, ertränkt ihren Kummer im Alkohol
und geht in ihrer Vorstellung als Medium, das Kontakt zu den Toten aufnehmen
kann, völlig auf. Unglaublich und dennoch real sind die dunklen Machenschaften,
die der Friedhofsdirektor eingefädelt hat. Es geht um
Grundstücksspekulationen, um Korruption, Erpressung und einen verrückten
Professor. Enea wird als Mittel zum Zweck missbraucht und kann durch ihre
Unbefangenheit und Spontaneität doch das Schlimmste verhindern, so dass am
Schluss doch die Richtigen in der Irrenanstalt landen. Mit geöffneten Augen
kehrt Enea auf ihren angestammten Platz auf dem Friedhof zurück.
"Fo zeigt in seiner politischen Groteske auf völlig überzogene Weise die
Realität", sagt Achim Vogel, der mit 15 Schauspielern 28 Rollen besetzen
muss und sich bewusst ist, wie schwierig es für die Akteure ist, sich auch
durch die entsprechende Gestik und Mimik in die einzelnen Personen
hineinzuversetzen. "Die Mischung von Lachen und Ernst ist Fos Mittel",
betont Lehrer Vogel, der zusammen mit Abiturient Christian Morlock die Regie
übernommen hat, "um Übergriffe und Ungerechtigkeiten der Gesellschaft
deutlich zu machen, aber auch um diese in eine größere Perspektive zu
rücken." [Anm.: Das sagte nicht ich, sondern Fo höchstpersönlich,
A.V.]
Die Proben sind entsprechend intensiv. "In der letzten Woche vor der
Aufführung gibt es fast kein Privatleben mehr", so die allgemeine
Einschätzung. Dennoch: Die reine Spielfreude ist den Schauspielern anzumerken.
Die makabre Gesellschaftskritik, die auf der Grundlage des titelgebenden Siebten
Gebotes aufgebaut ist, und in der komische und makabre Verwicklungen sich
abwechseln, wird in einer erfrischenden Spielweise auf die Bühne gebracht.
"Soll ich jetzt dumm spielen?", fragt Jasmin Bisanz, die nicht nur
einen Totengräber darstellt, sondern auch in die gar nicht so entfernte Rolle
einer Irren und einer Staatssekretärin schlüpfen darf. "Ja, aber keinen
Suppenkaspar. Dümmlich naiv halt." Immer wieder gibt es Regieanweisungen:
"Versucht mal, das Sprechen und diem Bewegung zu trennen." Auch
Thorsten Klein hat als "Friedhofsdirektor" eine Weisheit parat:
"Es ist bewiesen, dass der Totengräberberuf bei 80 Prozent der Betroffenen
zum Wahnsinn führt." Alles klar?
Brigitte Geiselhart
Vorbericht in der Schwäbischen Zeitung vom 10. Juli 2003
Aberwitzig und skurril
"Siebentens: Stiehl ein bisschen weniger!" Dies rät nicht die Theater-AG des Graf-Zeppelin-Gymnasiums, sondern so heißt Dario Fos bissige Satire, die sie derzeit für die Premiere am Seehasenfreitag eifrig probt.
Als der berühmte italienische Theatermann Dario Fo 1997 den
Nobelpreis für Literatur erhielt, hieß es in der Laudatio: "Die Mischung
von Lachen und Ernst ist sein Mittel, um Übergriffe und Ungerechtigkeiten der
Gesellschaft deutlich zu machen, aber auch, um diese in eine größere
Perspektive zu rücken." Keine Angst, wenn das ein wenig intellektuell
klingt: Dario Fo ist ein Vollblut-Theatermensch.
Langweilen mag man sich anderswo, aber keinesfalls bei Dario Fo, der das
Volkstheater als Mittel nimmt, seine Gedanken weiterzugeben. Schlag auf Schlag,
mit Spannung und Witz. Sein Volkstheater ist nicht volkstümelndes, sondern
menschennahes Theater. In aberwitzigen, skurrilen Situationen hält er dem
Besucher einen Spiegel vor Augen - oder ist es ein Brennglas, mit dem fokussiert
wird, was stinkt in der Gesellschaft? Lügen, Betrug, Korruption, Manipulation,
Skandale ...
Mit großem Elan spielt die von Achim Vogel geleitete Gruppe; er und Abiturient
Christian Morlock führen gemeinsam Regie. Die 15 Spieler schlüpfen in 29
Rollen. Das meiste haben sie bereits gut im Kasten, nur an einer Szene wird noch
intensiv gearbeitet. Der Ton wird verändert, einige Sätze gestrichen, die
Wirkung einer Figur hinterfragt: Meint der Mann wirklich, was er sagt? Wen nimmt
er ernst, wen benutzt er bloß? Und wie macht man das sichtbar? Achim Vogel ganz
cool: "Wir haben noch drei Tage Zeit, überlegt euch das noch einmal."
Nonnen stehen auf der Bühne, doch sind sie überhaupt echt? Und die Irren: Sind
sie wirklich irr oder ist es wie bei Dürrenmatt, dass das Irresein nur gespielt
wird, um andere Ziele zu erreichen? Andeutungen müssen hier genügen, denn die
Spannung, die ohnedies vorhanden ist, soll nicht geschmälert werden, wünschen
sich die jugendlichen Spieler von Klasse 8 bis Jahrgangsstufe 13. Einer gehört
noch zum Abiturjahrgang 2002.
Die meisten stecken in der Schule noch im Endspurt, werfen in Spielpausen
schnell einen Blick ins Französisch- oder Chemiebuch. Könnte es nicht sein,
dass man noch einmal drankommt? Dennoch wird beim Spiel kein Einsatz verpasst.
Dazwischen kurze Lagebesprechungen, Ringen um noch besseres Theater. Musik wird
ausprobiert, hier sind die Jugendlichen besonders wählerisch, bis ihr Ton
getroffen wird.
Dario Fo schrieb Spielvorlagen, die ausgebaut, aktualisiert werden können.
Diese Inszenierung ist sehr treffend aktualisiert worden und bietet auch dem
politisch Interessierten eine anregende Vorstellung. Über die Farbe des
Bühnenbildes mag man geteilter Meinung sein, das komisch-makabre Spiel um üble
Machenschaften lohnt jedenfalls den Besuch. Um was es eigentlich geht? Pardon,
das durfte wirklich nicht verraten werden!
Helmut Voith

Schwäbische
Zeitung am 14. Juli 2003; Bild: Christl Voith
Berlusconi, Chirac, Schröder, Bush und Blair (v.l.) in der Diskussion.
Südkurier vom 14. Juli 2004
Schwarzer Humor vom Feinsten
Theater-AG des GZG begeistert mit Dario Fos "Siebentens: Stiehl ein
bisschen weniger"
Das Leben ist absurd. Mit dem
Geld anderer Leute nimmt es sowieso niemand so genau. Oder? Geschäftsleute,
Minister und Staatssekretäre machen darin keine Ausnahme. Das siebte Gebot? Nie
gehört. Aber da gibt´s auch noch die Leichtgläubigen und vermeintlich Dummen,
die man auf den Arm nehmen und mit ihnen sein Spielchen treiben kann. Zu dieser
Spezies gehört Enea, einzige weibliche Totengräberin der Welt. Sie ist naiv,
sicherlich, dazu noch eine Säuferin. Aber Moral ist schließlich keine Frage
der Intelligenz oder des Geldbeutels.
Mehr als Respekt gebührt der Theater-AG des Graf-Zeppelin-Gymnasiums für ihre
Interpretation von Dario Fos "Siebentens: Stiehl ein bisschen
weniger". Was die 15 jugendlichen Akteure in insgesamt drei Aufführungen
auf die Bühne des Graf-Zeppelin-Hauses brachten, hatte Klasse und zeugte von
erstaunlicher schauspielerischer Reife. Der Stoff, den der
Literaturnobelpreisträger schon 1968 veröffentlichte, hat an
gesellschaftlicher Aktualität und Brisanz nichts eingebüßt. Es geht um dunkle
Machenschaften, Korruption und Erpressung, um den politischen Alltag eben.
Leichenhausatmosphäre. Drei Särge auf der Bühne. Ein vierter wird kurzerhand
zum Vespertisch umfunktioniert. Enea, überzeugend gespielt von Julia
Dinkelacker aus der Jahrgangsstufe zwölf, hat´s nicht leicht. Zuerst kein
Glück und dann kommt auch noch Pech dazu. Von ihren männlichen Kollegen
veräppelt, ertränkt sie ihren Kummer in Alkohol und flüchtet sich in
Phantasien. Dass sie nicht auf den Strich geht und stattdessen "nur
Lehrerin" werden könnte - wirklich eine unangenehme Vorstellung.
"Fo zeigt in seiner politischen Groteske auf völlig überzogene Weise die
Realität", sagt Lehrer Achim Vogel, der zusammen mit Abiturient Christian
Morlock die Regie übernommen hat. Die Mischung von todernsten Situationen und
beißendem, schwarzen Humor macht die Faszination dieses Abends aus. Krasse
Stimmungswechsel reihen sich zwanglos aneinander. Den Schauspielern gelingt es
durchweg, die insgesamt 28 Rollen mit den ihnen zustehenden Charakteren
auszufüllen und durch absolute Textsicherheit in dem Zweieinhalb-Stunden-Stück
zu bestechen. Herausragend neben Julia Dinkelacker auch Christian Morlock als
genialer "verrückter Professor" und Andrea Rütschle, die sich gleich
in drei völlig unterschiedlichen Rollen als Frau des Geschäftsmanns,
Prostituierte und Priorin präsentieren darf.
Auch im Irrenhaus geht es lustig zu. Besonders beliebt: Das Politspiel.
Makaber war´s und grotesk. Typisch Fo. Aber auch herrlich komisch,
herzerfrischend und spontan. Es tut gut, ab und zu mal der Gesellschaft den
Spiegel ungeschminkt vor das Gesicht zu halten. Das Leben ist eben absurd.
Brigitte Geiselhart
Südkurier am 14. Juli 2003; Bild: Hr. Schall